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„Faust“ im Puppenspiel

Faust-Puppenspiele gehen zurück auf den sagenum-wobenen, in Süddeutschland geborenen Georg Faust (um 1480 Knittlingen/Württ. bis um 1540 Staufen). 1587 erste literarische Darstellung im Spiesschen Volksbuch, der „Historia von D. Johann Fausten“. Davon angeregt verfasste Christopher Marlowe das Drama „The Tragicall History of the Life and Death of Doctor Faustus“. Marlowes Drama wurde in umgestalteter Form seit Beginn des 17. Jh. zunächst durch englische später deutsche Wanderschauspieler als Haupt- und Staatsaktion im gesamten deutschen Sprachraum aufgeführt, auch mit Marionetten, Handpuppen und Schattenspielfiguren.
Das Drama verschmolz mit dem Höllenprolog aus Thomas Dekkers Schauspiel „If this be not a good play, the Devil is in it“ (1612). Komische Szenen und die lustige Figur des Pickelhering wurden eingefügt. Mit der ersten Wiener Umarbeitung des Faust-Puppenspiels erfolgte die Wiederbelebung der lustigen Figur als bäuerlicher Hanswurst durch Joseph Anton Stranitzky. Ab 1750 trat mit der zweiten Wiener Umarbeitung die parallele Kontrasthandlung, in der Faust durch Hanswurst parodiert wird, neben die Szenenfolge mit Teufelspakt und Höllenfahrt.

Die vollständige Wiener Umarbeitung wird von fast allen Puppenspieltexten mit Ausnahme der Ulmer Puppenspielfassung repräsentiert (Geisselbrecht 1832, Karl Simrock 1846, Schütz & Dreher). Von Bedeutung für die Faust-Puppenspiele ist die wechselseitige Beeinflussung durch die literarischen Faust-Dramen von G. E. Lessing, J.W. von Goethe, Maler Müller und Friedrich Maximilian Klinger.

Heike Hamberger

Bibliografie: Scheible, Johann (Hrsg.): Das Kloster, Bd. 5, Faust auf der Volksbühne, in den Puppen- und Marionettenspielen, Stuttgart 1847, S.651-922 / Henning, Hans: Faust-Bibliographie, Teil 1, Berlin/Weimar 1966, S.342-350 / Eversberg, Gerd: Doctor Johann Faust. Die dramatische Gestaltung der Faustsage von Marlowes Doktor Faustus bis zum Puppenspiel, Dissertation, Köln 1988 / Faust-Museum und Faust-Archiv Knittlingen, Forschungsbibliothek und Puppensammlungen.

Bildnachweis: Faust, um 1950, Sammlung Hohnsteiner Puppen © Faust-Museum/Archiv der Stadt Knittlingen