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Geisselbrecht, Johann Georg

Der deutsche Marionettenspieler wurde am 23.11.1762 geboren, sein Todesdatum ist nicht bekannt. Geisselbrecht war Sohn eines Schuhmachermeisters in Hanau und zählte zu den bedeutendsten Marionettenspielern seiner Zeit. Sein trockener Humor, den er auch in die Figur des Kaspers einfließen ließ, und die Literarisierung seines Spielplanes nach 1800 heben ihn weit über alle seine Kollegen. Sein auch in Manuskripten überliefertes Repertoire bestand u.a. aus zahlreichen Schauspielen der Wanderkomödianten des 17. Jahrhunderts und des Wiener Volkstheaters des 18. Jahrhunderts. Zwischen 1790 und 1826 bereiste er ganz Deutschland, das Baltikum, die Schweiz und Dänemark. Er spielte an den Höfen von Baden, Preußen, Mecklenburg-Schwerin und Dänemark. Neben gekrönten Häuptern gehörten auch Dichter und Politiker wie Goethe, Brentano und Wilhelm von Humboldt zu seinem Publikum. 
Der Weimarer Privatgelehrte und Dichter Johann Daniel Falk (1768-1826) und der Leipziger Publizist Siegfried August Mahlmann (1771-1826) verfassten für Geisselbrecht zahlreiche satirische Puppenspiele, die sich mit den bestehenden Literaturverhältnissen auseinander setzten. In Berlin, wo Geisselbrecht zwischen 1811 und 1813 gastierte, kam die Gesellschafts- und Tagespolitik auf den Spielplan. Zu den neu hinzugewonnen Autoren zählten Julius von Voss (1768-1832), Carl Stein und der Kriegsrat Gerlach. Geisselbrecht läßt sich nach 1826 nicht mehr nachweisen, sein Theater wurde wohl nicht fortgeführt. Falsch und frei erfunden ist der Hinweis in Theodor Storms Novelle „Pole Poppenspäler“, Geisselbrecht sei der Schwiegervater des Mechanikus Joseph Tendler gewesen.

Lars Rebehn