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Gerhards, Fritz

Die Arbeit von Fritz Gerhards (1898 Witten a.d. Ruhr – 1955 Schwäbisch-Hall) für das Marionettentheater war beeinflusst von seiner Ausbildung als Schauspieler am Düsseldorfer Schauspielhaus und stand im Zeichen einer Märchen- und Sagenrezeption, wie sie in Deutschland von Vertretern einer reformierten dramatischen Kinderliteratur zwischen Jahrhundertwende und Erstem Weltkrieg hervorgebracht worden war. Seine Inszenierungen ab 1925 am eigenen Haus in Wuppertal-Elberfeld erprobten die vom Stoff bedingte Konzentration der Darstellungsmittel, um ein organisches Abbild des symbolisch-schicksalhaften Potenzials der Dichtungen herauszuarbeiten.
Zweifellos repräsentierte Gerhards die überragende Bühnenleiter- und Regiepersönlichkeit im deutschen Puppenspiel nach 1918. Seine Suche nach tragischen Wirkungen im zeitlos-mythisch inspirierten Marionettenspiel grenzte sich ab von der nationalsozialistisch-germanophilen Mythenproduktion und gab den humanistischen Grundgedanken der Darstellung einer rein menschlich-existenziellen Dimension der Märchen nicht preis. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte sich Gerhards mit seinem Theater in Schwäbisch-Hall an.

Manfred Wegner

Bildnachweis: Gerhards Marionetten, Fritz Gerhards, Wuppertal (später
Schwäbisch Hall); "Gevatter Tod", Arzt und Prinzessin, Bildvorlage: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Puppentheatersammlung