Büttner, Walter

Der Solo-Handpuppenspieler (Wasserleben 1907 – Maschen 1990), auch bekannt als “Der Heidekasper”, zeigte mit 15 Jahren sein erstes Jahrmarktskasperspiel (Kasper) auf der Bühne seines Vaters August Büttner. Ab 1926 reiste er als selbstständiger Puppenspieler durch Norddeutschland und lebte in einfachsten Verhältnissen. Die Nationalsozialisten belegten ihn 1933 wegen seiner politischen Haltung mit Berufsverbot. 1946, nach Kriegsdienst und amerikanischer Gefangenschaft, verband er den Neuanfang mit einer Orientierung hin zum künstlerischen Handpuppenspiel. Er arbeitete ab 1954 auch für das Fernsehen und gab Seminare. 
Mit der im In- und Ausland gezeigten Inszenierung für Erwachsene "Anno Tobak" nahm er die Tradition der derben Kasperstücke seines Vaters wieder auf. Walter Büttners archaisch-rhythmisches Spiel war eine lebendige Mischung aus Tradition, Intellekt und Naivität von unverwechselbarem Reiz. Er schlug damit eine Brücke vom volkstümlichen Jahrmarktstheater zu heutigen Kunstformen des Puppen- und Figurentheaters.

Silke Technau

Bibliographie: Deutsches Institut für Puppenspiel (Hrsg.): Meister des Puppenspiels, Heft 36, Walter Büttner. Bochum, o. Jg.
Silke Technau: Zu Besuch in der Kasperbude. Streifzüge über den Jahrmarkt ins Figurentheater,
Puppen&Masken Frankfurt/Main 1992
Silke Technau: „To Wihnachten sinn wi wedder dohus“. Puppentheater im Kriegsgefangenenlager Aliceville/Alabama,
in: Frontpuppentheater. Puppenspieler im Kriegsgeschehen, Hrsg. Dorothea Kolland, Puppentheater-Museum Berlin,
Elefanten-Press Berlin 1997, S. 142-151