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Reichsinstitut für Puppenspiel

1938 von nationalsozialistischen Organisationen (u.a. ‚Hitlerjugend’ und ‚Kraft durch Freude’) gegründetes Institut mit dem Ziel der zentralen Koordinierung, Steuerung und Förderung, aber auch der propagandistischen Instrumentalisierung des Laienpuppenspiels sowie der Berufspuppenbühnen während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland. Die weitgesteckten Ziele des R.I.s umfassten vor allem die flächendeckende Ausstattung der NS-Jugendorganisationen mit normiertem, häufig politisch gefärbtem Spielmaterial (Spielstücke/Texte, die dazu passenden Handpuppenköpfe, dramaturgische Anweisungen), die Koordinierung der Auftritte von Berufspuppenbühnen, deren Begutachtung, die Durchführung von Lehrgängen und die Herstellung erster Puppenspielfilme. 1939 wurde in Berlin eine Vorbereitungsstelle des R.I.s eingerichtet. Die zunächst künstlerische und ab 1941 kommissarische Gesamtleitung übernahm Harro Siegel.
Die Wirren des 2.Weltkrieges verhinderten schon ab 1940 die Verwirklichung vieler Pläne des R.I.s, so auch den Bezug des eigentlichen Institutsgebäudes in Stuttgart. 
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Ritscher, Familie

Die deutsche Marionettenspielerfamilie geht auf Ernst Ritscher (1853-1943) zurück, der als Theatergehilfe in die Familie Listner-Lippold einheiratete. Insgesamt war die Familie über sieben Generationen als Puppenspieler tätig, es existierten mindestens sechs verschiedene Ritscher-Bühnen, die hauptsächlich im sächsischen Erzgebirge und der Lausitz reisten. Die bekanntesten Familienmitglieder sind Herbert Ritscher (1920-1970), ein Enkelsohn von Ernst Ritscher, der 1961 das Staatliche Puppentheater Bautzen gründete, sowie Martha Ritscher, geb. Großmann (1906-1986), und ihr Sohn Roland Ritscher (geb. 1931), die noch bis 1986 mit einem weitgehend unveränderten Theater reisten und dabei die Aufmerksamkeit von Künstlern, Wissenschaftlern und Medien auf sich zogen. Die komplette Bühne befindet sich seit 2003 in der Puppentheatersammlung Dresden.

Lars Rebehn

Bibliographie: Bernstengel, Olaf: Wie einst bei Dreher und Schütz in Potsdam ... „Ritscher's Künstler-Marionettentheater“, Bielatal. Görlitz, Zittau, 2002
Bildnachweis: Martha Ritscher und ihr Sohn Roland mit den Marionetten Gräfin Cosel und Kasper für das Stück: Reichsgräfin Cosel, Foto: Rolf Mäser, um 1964, Bildvorlage: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Puppentheatersammlung

Röhler, Walter

Der Lehrer Walter Röhler (1911 Darmstadt –1974 Mörstadt bei Worms) gilt als der Begründer der deutschen Papiertheater-Forschung. Neben seiner Sammeltätigkeit und dem aktiven Spiel ab 1925 sind es vor allem seine Publikationen und unveröffentlichten Manuskripte, die ihn als Spezialisten ausweisen. Seine Sammlung und das Archiv befinden sich im Besitz der Stadt Darmstadt und werden von einem Förderverein verwaltet.

Dietger Dröse

Bibliographie: Röhler, Walter: Große Liebe zu kleinen Theatern. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Papiertheaters, Hamburg 1963
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Roser, Albrecht

Der Marionettenspieler Prof. Albrecht Roser (* 1922 Friedrichshafen;  † 2011 Stuttgart) erhielt zunächst eine Ausbildung als Grafiker, anschließend lernte er Marionettenbau bei Fritz Herbert Bross. Er erkannte die darstellerischen Möglichkeiten, die in dessen neuen Konstruktionsprinzipien lagen. Mit seiner eignen Schöpfung „Clown Gustaf“ wurde Roser 1951 zum Puppenspieler. „Gustaf und sein Ensemble“, ein Szenenprogramm mit Marionetten, führt ihn seit 1956 durch alle Erdteile. Seine Marionetten sind Instrumente von höchstem bildnerischen und technischen Niveau, nach kinetischen Gesetzen gebaut und „aus dem Schwerpunkt gespielt“.