Schwabinger Schattenspiele

Die unter der Leitung des Literaten Alexander von Bernus (1880–1965) stehende Bühne trat 1907 in München erstmalig in Erscheinung. Bernus verstand sein Unternehmen als radikales ästhetisches Experiment, das sich von den naturalistischen Konventionen der zeitgenössischen Theaterpraxis löste, indem die Flächenkunst des Jugendstils zur szenischen Bühne des lyrischen Ausdrucks transformiert wurde. Er suchte im Schattenspiel die „entmaterialisierte Welt der wachen Träume“ (Bernus), sichtbar zu machen als Ausdrucksform der neu-romantischen Dichtkunst. Neben Stücken des romantischen Schattenspielrepertoires kamen auch neue Dichtungen zur Aufführung, die der vom Symbolismus beeinflussten Sprachmagie des Lyrikers Stefan George nahe standen. Mit Beginn des expressionistischen Zeitalters schlossen die Schwabinger Schattenspiele 1912 ihre Tore.

Manfred Wegner
Bibliographie: Kluncker, Karlhans: Die Schwabinger Schattenspiele. In: Bayerdörfer, Hans-Peter/ Conrady, Karl Otto / Schanze, Helmut (Hg.): Literatur und Theater im Wilhelminischen Zeitalter. Tübingen 1978 Bildnachweis: Schwabinger Schattenspiele: Szene aus „Dr. Faust“. Fotografie um 1908 © Sammlung Puppentheater / Schaustellerei des Münchner Stadtmuseums