Schmid, Josef Leonhard

Josef Leonhard Schmid (1822 Amberg - 1912 München) eröffnete am 5. Dezember 1858 in München mit aktiver Unterstützung Franz von Poccis das "Münchner Marionetten-Theater". Schmid präsentierte seine Marionettenvorstellungen für Erwachsene und Kinder in wechselnden Spiellokalen, bis die Stadt München für ihn ein festes Haus erbaute. Es wurde am 3. November 1900 eröffnet und wird noch heute als Marionettentheater betrieben. Mit „Papa Schmid“, der auch als guter Kasperspieler galt, und seinem Theater begann in Deutschland die Reform des Puppenspiels mit einer eigenen, vom Schauspielertheater unabhängigen Dramenliteratur. 
Für Schmid schrieben über 40 Autoren und Komponisten, Pocci steuerte 53 Märchen-Stücke und Kasperliaden bei. Neben Märchen- und Sagenstoffen gab es auch Aufführungen aus dem traditionellen Repertoire wie den Puppen-„Faust“, Bearbeitungen des „Käthchen von Heilbronn“ nach Kleist, „Genovefa“ nach E. Raupach, „Agnes Bernauer“ nach F. Hebbel sowie Stücke aus den Textsammlungen von C. Engel oder A. Kollmann. Szenerie und Puppen vermittelten die Illusion einer im Guckkasten lebendig gewordenen Miniaturwelt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Paul Brann überwunden wurde. Schmids Nachlass wird im Puppentheatermuseum des Münchner Stadtmuseums aufbewahrt.

Manfred Nöbel

Literatur: Riedelsheimer, Anton: Die Geschichte des J. Schmid'schen Marionettentheaters, München 1906. Katalog Kasperl Larifari. Blumenstraße 29a. Das Münchner Marionetten-Theater 1858-1988. Hrsg. Münchner Stadtmuseum / Stadtarchiv München, München 1988

Bildnachweis: Josef Leonhard Schmid vor seiner Marionettenbühne, Fotograf:
Valeska Kollmann, 1900, Bildvorlage: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Puppentheatersammlung