Fritz Wortelmann-Puppensammlung

Fritz-Wortelmann-Puppensammlung

Der Theaterwissenschaftler Fritz Wortelmann (1902-1976), Mitbegründer des DIP (Deutsches Institut für Puppenspiel) und Gründer des Festivals FIDENA begegnete während seiner langjährigen Arbeit vielen unterschiedlichen Figurenspieler*innen aus dem In- und Ausland. Sie schenkten ihm Figuren aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen oder er erwarb sie auf einer seiner vielen Reisen. So entstand die heutige Fritz-Wortelmann-Sammlung, die wir hier durch eine exemplarische Auswahl von Figuren vorstellen möchten.

 

Fotos: Simon Baucks

Das Mülheimer Kaspertheater

Eine Handpuppe des Mülheimer Kaspertheaters.

Das Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst e.V. stellt eine Figur aus den Anfangszeiten des Mülheimer Kaspertheaters vor:

Das Mülheimer Kaspertheater wurde 1946/47 von den Puppenspielerinnen Martha Stocker und Gisela „Heidi“ Lohmann gegründet. Die gelernten Erzieherinnen spezialisierten sich mit der Zeit auf Inszenierungen für die Allerkleinsten. Das erwachsene Publikum wurde ihnen durch das Kino streitig gemacht und auch von Schulkindern wurde das Theater nur in den Ferien besucht. Die „Mülheimer Mädels“ waren Vorreiterinnen im Theaterspiel mit pädagogischem Maßstab für ganz kleine Kinder. Die Beiden bespielten ihr Theater bis zum Dezember 1987, offiziell wurde der Spielbetrieb 2001 eingestellt.

Ihre Puppen bauten Martha Stocker und Heidi Lohmann selbst. Im Laufe ihrer Karriere änderten die Frauen die Ästhetik ihrer Figuren. Hatten diese anfangs noch voll ausgearbeitete Gesichtszüge, wandelten sie sich mit der Zeit zu Kugelformen und Knopfaugen. Ihr Mülheimer Kaspertheater genoss einen guten Ruf, weshalb die Polizei mit der Bitte an sie herantrat, Themen wie Kindesmissbrauch und dessen Prävention aufzugreifen. Nach einer kurzen Laufzeit von 20 Vorstellungen ließen sie das Stück jedoch wieder fallen.

Beide engagierten sich in der Szene, beispielsweise bei der UNIMA. Martha Stocker gründete mit Dieter Kieselstein und Anderen den Verband deutscher Puppentheater (VDP), in dessen Vorstand sie viele Jahre tätig war. Schon 1948 nahmen sie an der ersten Nachkriegs-Puppenspielertagung in Tecklenburg teil und spielten ihr Stück „Der goldene Vogel“. Im Laufe ihrer Karriere gastierten sie in der DDR, Schweden, Polen, Rumänien und der Schweiz, sowie in Californien. Waren sie eingeladen, gaben sie ihr Wissen in Form von Lehrgängen weiter.

Den Großteil ihrer Sammlung, in der die ersten Puppen von 1948 sind, verschenkten sie nach dem Ende ihrer Bühne, deswegen ist ein Exemplar aus ihrem Mülheimer Kaspertheater im Deutschen Forum für Figurentheater zu sehen. Weitere Exponate sind in der Ausstellung „Fantasie an Fäden“ von Ralf Rahier in Eckernförde und in der Sammlung Puppentheater/Schaustellerei des Münchener Stadtmuseums zu sehen.

 

Victoria Wehrmann

 

Quellen:

Übertragung eines handschriftlich entworfenen Infotextes von Heidi Lohmann (bearbeitet und überwiegend wörtlich zitiert von Ralf Rahier)

Unima Rundbrief, Nachruf 1988 Balsevicus, Kristiane: „Die Lust, aus dem Nichts etwas zu machen“- Eine Annäherung an die Puppenspielerin Heidi Lohmann“, in: Das andere Theater, 45/2001

Kieler Nachrichten, Figuren-Zauber auf der Carlshöhe, unter: http://www.kn-online.de/Lokales/Rendsburg/Figuren-Zauber-auf-der-Carlshoehe

Persönliche Gespräche mit Lars Reben (Leiter der Konservator der Puppentheatersammlung der staatlichen Kunstsammlung Dresden) und Ralf Rahier (Puppenbauer und Leiter des Figurentheaters Phantasie an Fäden)

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