Online-Lexikon

Simon, Frieder

Der deutsche Handpuppenspieler, Ausstatter, Autor, Musikant und Regisseur wurde 1936 in Leipzig geboren. Er gehört zu den bedeutendsten Kasperspielern des deutschsprachigen Raumes seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Simon studierte von 1958-1963 an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle an der Saale. Bereits in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts spielte er gemeinsam mit seinem Vater Handpuppentheater. Zu seinen künstlerischen Vorbildern zählen außerdem die Handpuppenspieler Carl Schröder, Hans Frannek, Walter Büttner und der Ungar Henryk Kemeny.
Mit seiner Puppengestaltung versuchte Simon eine Symbiose aus Prinzipien zeitgenössischer Formgestaltung und traditionellen Formen des Handpuppenspiels. In seinem Texten und vor allem seinem durch Improvisation geprägten Spiel verleugnete sein Kasper seine plebejische Herkunft nicht, formulierte sie jedoch „salonfähig“.

Bildnachweis: Der Jägerchor. Aus dem Puppenspiel "Der Freischütz". Original Kunstfiguren und Caspertheater Larifari von Frieder Simon, Halle 1964, Bildvorlage: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Puppentheatersammlung
Das vertretbare Maß an Unangepasstheit dieser Figur und seines Spielers wurde und wird von den Zuschauern sehr wohl als Zeitkritik verstanden. Zum Repertoire seines „Original Kunstfiguren- & Casper-Theater LARI FARI“ gehören eigene Adaptionen der klassischen Stoffe des Theaters und Puppentheaters wie „Genoveva“, „Don Juan“, „Undine“, Faust und „Gevatter Tod“. So gelang es Simon, die lustige Figur des Kaspers auch in jenen Zeiten mit großem Erfolg zu spielen, als sie verpönt bzw. zur didaktischen Kinderbelustigung degradiert wurde.

Olaf Bernstengel (2004)

Bibliographie: Bähtz, Dieter (Hg.): Frieder Simon. Puppenspieler. Kunst in lausigen Zeiten. Frankfurt a. M., 1996