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Steinmann, Peter Klaus

Der Puppenspieler, Autor, Figurenbildner, Dramaturg und Regisseur (1935 Berlin – 2004 Berlin) war tätig im Theater, im Fernsehen und als Hochschullehrer und prägte, gemeinsam mit seiner Frau Benita, wie wenige andere das (west-)deutsche Puppentheater der ersten Nachkriegsgeneration. Dabei verkörpert Steinmann gleichsam den gelebten künstlerischen Versuch eines Brückenschlags von der Volkskunst des Puppenspiels im Sinne der Hohnsteiner (Max Jacob, Friedrich Arndt) zur Theaterkunstform „Figurentheater“ – zwischen den volkserziehenden Kaspertheatertypen und den psychologisch differenzierteren Rollenentwürfen.
Das Literarische Figurentheater Steinmann „die bühne“ war Teil und zugleich Motor einer Emanzipationsbestrebung des deutschen Puppenspiels, die kennzeichnend für die 1960er und 70er Jahre war und deren Ausläufer bis in die Gegenwart fortwirken. Künstlerisch knüpfte diese Bewegung zum Teil an ästhetische Errungenschaften der 1920er und 30er Jahre an, politisch rang sie um die Anerkennung des Puppen- und Figurentheaters als ernst zu nehmende theatralische Kunstform.
Versucht man das Steinmannsche Werk in den Blick zu nehmen, so sind drei Aspekte hervorzuheben. Zum ersten nahm Steinmann Abschied von den boulevardhaften Typenkomödien und Kasperspielen und entwickelte aus der Sprache der dramatischen Literatur die Möglichkeit der Puppe zur Verkörperung eines rollenhaft ausdifferenzierten Charakters. So inszenierte er Samuel Becketts „Alle die da fallen“, „Die Ballade vom großen Makabren“ von Michel de Ghelderode, „Romulus der Große“ von Friedrich Dürrenmatt und andere mehr. Der zweite Aspekt betrifft die Öffnung des Spiel- und Bewegungsraums und enthält eine doppelte Perspektive: Einerseits stellte Steinmann die Puppe in einen szenischen Zusammenhang mit ihrem Spieler und begründete diesen dramaturgisch; andererseits öffnete er seinem Theater den Raum der „großen“ Theaterbühne als Bewegungsraum. Drittens hat seine ununterbrochene, intensive Reflexion sowohl der eigenen Kunst als auch der ganzen Zunft ihre Spuren in zahlreichen Schriften hinterlassen. Hier artikuliert er das Selbstbewusstsein eines Theaterkünstlers, der sich von der Volksbildung abgrenzt, und hebt dies als verändertes Wahrnehmungsmuster ins Bewusstsein der Kollegen und der Öffentlichkeit. Dabei bemühte Steinmann sich gleichzeitig um Eingrenzung und Abgrenzung des Genres und profilierte das Figurentheater stets als eigenständige Sparte zeitgenössischer Theaterkultur.

Christoph Lepschy

Bibliographie: Puppen für „die bühne“. 40 Jahre Literarisches Figurentheater Steinmann. Hg. vom Puppentheatermuseum im Münchner Stadtmuseum, 1999