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Puhonný, Ivo

Der familiär aus Österreich stammende aber in Deutschland geborene Maler und Gebrauchsgraphiker Ivo Puhonný (1876 Baden-Baden – 1940 Möhringen b. Stuttgart) gründete 1911 das „Baden-Badener Künstler-Marionettentheater“, mit dessen literarisch anspruchsvollem Spielplan er und sein Spielleiter Ernst Ehlert (1881–1965) von Deutschland aus internationales Ansehen erlangten. Das Theater spielte unter anderem Stücke der deutschen romantischen Literatur (Pocci; August Mahlmann), aber auch moderne Grotesken (Frank Wedekind; Christian Morgenstern) und originelle Varietészenen für Solomarionetten. Damit brachte Puhonný sowohl das klassische Repertoire als auch zeitgenössische Kammerspiele auf die Puppenbühne. 
Mit seinen meisterhaft durchgestalteten Marionetten und einer bis ins Detail erarbeiteten Choreographie von Sprache und Bewegung der Figuren betonte Puhonný den Anspruch des modernen Marionettentheaters, in seiner Eigengesetzlichkeit künstlerisch gleichwertig zum Schauspiel lebender Darsteller beurteilt zu werden. Die meisten seiner 300 Marionetten werden im Puppentheatermuseum München aufbewahrt.

Manfred Wegner

Literatur: Till, Wolfgang: Puppentheater. Bilder. Figuren. Dokumente, München 1986

Bildnachweis: Ivo Puhonny: Marionetten zu „Tod und Teufel“ aus der Trilogie „Totentanz“ (1905) von Frank Wedekind, Baden-Baden 1921 © Sammlung Puppentheater / Schaustellerei des Münchner Stadtmuseums