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KompleXX Figurentheater zieht Bilanz

19. November 2025

Am 4. November 2025 feierte das Bündnis KompleXX Figurentheater zwei Jahre Förderung im bat-Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, um zurück- und vorauszuschauen.

Gemeinsam mit 16 Bündnispartner:innen in 10 Bundesländern wurden seit Anfang 2024 insgesamt zehn Projekte mit und für die Puppen-, Figuren und Objekttheaterszene durchgeführt. Die Bundesförderung „Verbindungen fördern“ läuft Ende 2025 aus.

Im Spannungsfeld von Kunst und Gesellschaft lud KompleXX Figurentheater zu einem Treffen der Begegnung, der Reflexion und der Entwicklung neuer Perspektiven ein. Was wurde erreicht? Was bleibt zu tun?

Eröffnet wurde der Abend von Dr. Anna Luise Kiss, Präsidentin der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und Gastgeberin.

v.l.n.r. Franziska Dittrich und Anna Menzel mit Puppe Carola, Mareike Gaubitz, Ruth Brockhausen und Markus Joss © Janosch Weiss

Stellvertretend für das Bündnis haben Ruth Brockhausen (Theater der Nacht, UNIMA Deutschland), Mareike Gaubitz (Fidena / Deutsches Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst) und Markus Joss (HfS Ernst Busch / Abteilung Zeitgenössische Puppenspielkunst) von den KompleXX Aktionen berichtet. Der Rückblick wurde als Austausch mit einer von den Figurenspielerinnen Anna Menzel und Franziska Dittrich animierten Puppe inszeniert.

Es folgte eine Premiere: Zum ersten Mal wurde der 20-minütige Dokumentarfilm zum zeitgenössischen Puppen-, Figuren-, Objekt- und Materialtheater RADIKAL DINGLICH! gezeigt. Der Film von Alexander Hector ist ein Auftrag vom Bündnis KompleXX Figurentheater und entstand in den letzten zwei Jahren (mehr Infos unten).

v.l.n.r. Katja Spiess, Anne Schneider, Seta Guetsoyan, Gundula Hoffmann © Lea Röwer

Im Anschluss fand die Podiumsdiskussion "Vielfalt als Leuchtturm": Potentiale des Figurentheaters oder warum die Puppe die Welt retten wird statt. Das Gespräch mit Seta Guetsoyan (Figurentheater-Kolleg Bochum), Gundula Hoffmann (Figurentheater Chemnitz) und Katja Spiess (FITZ – Theater animierter Formen, Stuttgart) wurde von Anne Schneider moderiert, die abschließend Fazit zog::

"Wir haben gelernt, dass das Puppen-, Figuren, Objekt- und Materialtheater - das Theater der außergewöhnlichen Mittel - die genialste Kunskorm unserer Zeit ist. Mit Ehrlichkeit, Radikalität und jeder Menge Humor eröffnet diese Kunstform ein philosophisches Experimentierfeld voller Transzendenz, das alternative Realitäten erforschbar macht, Dualismus aufheben kann und Nicht-Sichtbares sichtbar machen kann. Das Theater mit Dingen, der überraschenden Form und der Animation kann Welt interpretieren, erfinden und neue Wege aufzeigen. Mit Blick auf die aktuellen und anstehenden Veränderungen unserer Zeit sprechen wir also von einer Kunstform, die unverzichtbar ist und wahrscheinlich sogar die Welt retten kann. Wie es der Name KompleXX schon sagt: Lasst uns die Komplexität der Welt lustvoll umarmen, lasst uns den Weg im Sinne von Verbundenheit und Solidarität gemeinsam gestalten und autrechen in eine Zukunft, in der die Menschen nicht die Hauptrolle spielen."


RADIKAL DINGLICH!
Das zeitgenössische Puppen-, Figuren-, Objekt- und Materialtheater reicht weit über klassisches Kindertheater hinaus. Es stellt Material auf Augenhöhe mit dem Menschlichen und hinterfragt Dualismen wie Ding und Mensch, Objekt und Subjekt, tot und lebendig, digital und analog. Untrennbar mit der Frage verbunden, wie wir mit Material umgehen und uns unter Dingen verorten, spiegelt die Kunstform zentrale Themen unserer Zeit – von Gender und Transhumanismus über Kolonialismus und Konsum bis zur Suche der Menschheit nach einer neuen Position in der Welt. RADIKAL DINGLICH! eröffnet faszinierende Einblicke in eine überraschend vielfältige, lebendige Szene.

RADIKAL DINGLICH! auf Vimeo (PW: RadikalDinglich!)


Die überregionale Bündnisarbeit vom KompleXX Figurentheater wird gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien über das Programm „Verbindungen fördern“ des Bundesverbands Freie Darstellende Künste e.V.