20 Jahre lebendige Theaterkunst
15. Dezember 2025
Moritz Leick: Herr Dorner, wenn man durch das Museum für PuppentheaterKultur läuft, fällt vor allem auf, dass nicht alle Gegenstände hinter Vitrinen sind. Mitunter wird sogar ganz aktiv aufgefordert mitzuspielen. Ist das nicht sehr mutig?
Markus Dorner: Ja, mutig, aber passend, denn darum geht's ja in dem Genre, dem dieses Museum gewidmet ist: Bitte mitspielen! Entweder real in der Vorstellung oder in der eigenen Fantasie. Ich muss allerdings präzisieren: Es gibt 55 Mitmachstationen und in der Regel sind jene Figuren, welche ausdrücklich zum Mitspielen und zum Anfassen gedacht sind, extra dafür angefertigte Hands-on-Objekte oder Repliken. Allerdings gibt es auch gleichberechtigt Exponate in Vitrinen mit wertvollsten historischen Theaterfiguren in der Ausstellungshalle. Mittlerweile hat sich da eine sehr gute Mischung ergeben. Aber „bitte mitspielen!“, das ist mein Credo. Das zieht sich auch in unserem gedruckten Museumskatalog „Die Welt der PuppentheaterKultur im Museum“ durch, der genau so aufgebaut ist, dass der Museumsgast, wenn er wieder nach Hause kommt, diesen Impuls hat: „Es wäre doch schön, Zuschauer/Zuschauerin eines Figurentheaters zu sein, oder selbst aktiv zu werden in diesem so fantasievollen Medium.“
Moritz Leick: Und wie war das bei ihnen? Sie sind ja nicht nur seit der Gründung im Jahr 2004 Leiter dieses Museums, sondern Sie betreiben selbst ein eigenes Figurentheater, „das Dornerei-Theater mit Puppen“, seit 25 Jahren. Was war Ihr erster Impuls?
Markus Dorner: Als Kind und Jugendlicher war ich im Internat, beim Windsbacher Knabenchor. Dort war ich sozusagen schon als Puppenspieler aktiv, vor allem in der Verbindung von Figurenspiel mit Gesang und Musik, was ich heute noch in meinem Soloprogramm „Kleines Konzert mit großen Marionetten“ praktiziere. Das ist noch ein Überbleibsel aus dieser Zeit. Anschließend habe ich Lehramt studiert, mit Hauptfach Geschichte.
Meine Zulassungsarbeit in Landes- und Volkskunde habe ich zum Thema Puppentheatergeschichte geschrieben. Da hat sich das schon manifestiert: Neben dem Wunsch, Figuren lebendig werden zu lassen und Theater zu spielen, sich auch für die Geschichte des Puppentheaters und vor allem für die Menschen dahinter zu interessieren. Schon als Kind, als Jugendlicher, wollte ich immer wissen: Was sind das eigentlich für Menschen, die ihr Leben der Puppentheaterkunst widmen? Ich wollte sie kennenlernen. Ich habe sie besucht, bin hinter die Bühne gegangen und habe mich selbstbewusst vorgestellt. Auge in Auge als Zwölfjähriger, habe ich mich zum Beispiel mit dem Direktor der „Augsburger Puppenkiste“ oder Albrecht Roser und Carl Schröder ausgetauscht.
1988/1989 habe ich eine Ausbildung am „Hohnsteiner Puppentheater“ bei Harald Schwarz begonnen – Ich wurde Berufspuppenspieler. Seit fünfundzwanzig Jahren führe ich nun zusammen mit meiner Frau Eleen Dorner, die eine Ausbildung im Puppentheater am Fürstenplatz in Düsseldorf gemacht hat, unser Puppentheater in Neustadt an der Weinstraße. Das ist einerseits eine feste Spielstätte im Kulturzentrum Herrnhof und andererseits auch ein Tourneetheater. Und dann war eben vor einundzwanzig Jahren die Stelle hier in Bad Kreuznach ausgeschrieben. Gesucht wurde ein Museumsleiter, der eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis herstellen konnte, und ich hatte Glück. "Gründungsdirektor des Museums für PuppentheaterKultur der Stadt Bad Kreuznach" kann mal auf meinem Grabstein stehen… (lacht)
Moritz Leick: So wie ich das raushöre, haben Sie aber auch ein gewisses investigatives Engagement an den Tag gelegt – als Zwölfjähriger schon Aug in Aug mit den bekannten Theatergrößen.
Markus Dorner: Ja, ja, das war natürlich kindliche Naivität und jugendliche Hybris.
Moritz Leick: Ist das vielleicht auch eine nötige Qualität, die man braucht: diese Beharrlichkeit?
Markus Dorner: Ich glaube, wenn man meine Familie und Weggefährten fragt – ja! Wenn ich mir was in den Kopf setze, dann passiert das irgendwann. Und so ist es auch gekommen: Einmal ganz nah dran sein mit diesen weltberühmten Marionetten, wie „Gustaf und sein Ensemble“. Wenn mir das damals jemand gesagt hätte, dass ich irgendwann diesen Gustaf in einer Vitrine platzieren werde (unter strenger Aufsicht von Ingrid Höfer), dann hätte ich gedacht: „Unvorstellbar!“ – Aber es kam genauso! Ich freue mich sehr, dass Albrecht Roser und Ingrid Höfer sich entschieden haben, ihren Gesamtnachlass an unser relativ neues Museum zu geben. Für das PuK-Museum ist das eine ganz tolle Aufwertung und natürlich eine lineare Fortsetzung unseres Schwerpunkts: Die Marionette. Das hat Albrecht Roser natürlich immer sehr gefallen. Wir machen in Bad Kreuznach alle zwei Jahre ein Festival nur zum Thema Marionette, von modern über klassisch bis zeitgemäß. Und so war es nur folgerichtig, dass das alles hier gelandet ist. Die Kunst des Spiels am Faden in Bad Kreuznach.

Ausstellungsbereich © Moritz Leick
Moritz Leick: Einige Namen sind in unserem Gespräch nun schon öfter gefallen: Albrecht Roser, mit seiner langjährigen Assistentin Ingrid Höfer und dem Bühnenprogramm „Gustaf und sein Ensemble“. Roser war über 50 Jahre die wahrscheinlich größte Persönlichkeit des deutschen Puppenspiels. Er hat eine neue Puppenspielkunst in die ganze Welt getragen und war auch in Stuttgart als Professor für Puppenspiel ein wichtiger Lehrmeister, der viele Künstler hervorgebracht hat. War er auch für Sie ein Wegbereiter?
Markus Dorner: Ja, was mich bei ihm beeindruckt hat, war, dass er mit seinen Marionetten alle überzeugen konnte. Denn es gibt und gab ja immer Menschen, die unserem Genre kritisch oder reserviert gegenüberstehen. Wenn diese ihn mal eines Abends auf dem Podest sahen, wie er „Gustaf und sein Ensemble“ aufführte, dann waren sie überzeugt: „Ja, das ist Theaterkunst.“, „Ja, dafür lohnt es sich, zum Beispiel ein Museum zu schaffen.“, „Ja, selbst ein Studiengang ist gut.“. Er hat da keinen langen Vortrag halten oder theoretische Auseinandersetzungen führen müssen, er hat sie „einfach“ durch sein künstlerisches Tun überzeugt. Und das finde ich beeindruckend.
Moritz Leick: Mir kommt ein Zitat von Roser ins Bewusstsein: „Es ist schwer zu beschreiben, was Konzentration ist. Es ist viel leichter zu beschreiben, was es nicht ist.“ Damit bezog er sich vor allem auf die Konzentration und Virtuosität des Puppenspielers.
Markus Dorner: Das ist doch wirklich einmalig. Wenn man eine Marionette führt und sie auch gut führen will, gibt es in dieser Situation nur die Aufgabe, sich voll in die Figur hineinzuversetzen. Zu spüren, was aus der Figur kommt, was sie will. In diesem Moment und während der ganzen Vorstellung gibt es im besten Fall kein „Daneben“. Man tut nichts Anders, die Gedanken, Gefühle und Emotionen sind nirgendwo anders. Alles fokussiert sich in diesem Moment auf die Figur, damit diese lebendig werden kann. Und das konnte man bei Roser natürlich so oft erleben.
Moritz Leick: Konzentrieren wir uns nochmal auf das Museum. Es gibt Museen für Kunstwerke, für Antiquitäten, für Naturkunde und so weiter. Welche spezifische Herausforderung hat denn ein Puppentheatermuseum, vor allem von technischer Seite?
Markus Dorner: Ein Jahr vor der Gründung war mir wichtig, dass Besucher nicht das Gefühl bekommen, sie seien an einem Ort, wo es nur um Vergangenheit geht. Es geht um eine lebendige Theaterkunst. Von der technischen Seite ist es so, dass die Theaterpuppe nun mal nicht für die Ausstellung gebaut ist. Sie ist für die Bewegung geschaffen worden. Wie können wir erreichen, dass sie trotzdem auch im Ausstellungsumfeld lebendig wirkt? Sei es durch gute Beleuchtung oder dadurch, sie in einer guten Pose oder Gestik auszustellen. Oder indem Töne dazukommen, oder Filme, oder die ausgestellte Theaterpuppe leicht bewegt wird bzw. leicht „angetippt“ erscheint. Eines der schönsten Komplimente, die ich als Museumsmacher im Lauf der 20 Jahre bekommen habe, ist das einer Puppenspielkollegin aus Lübeck, die mir mal gesagt hat: „In diesem Museum merkt man, dass jede Puppe, die hier ausgestellt ist, von einem Puppenspieler für die Vitrine eingerichtet wurde.“
Moritz Leick: Und welche Herausforderungen birgt die Aufgabe der Archivierung?
Markus Dorner: Wir haben eine Grundsammlung übernommen, die sogenannte Landesfigurensammlung von Karl-Heinz Rother. Die hatte ungefähr 4.000 Exponate und in den 20 Jahren sind jetzt ungefähr noch mal 3.000 Exponate dazugekommen. Für traditionsreichere Museen sind es eher kleine Zahlen, aber es ist insgesamt schon relativ viel und da bräuchte es natürlich noch viel mehr Personal für die Restaurierung, für die Aufbereitung. Da liegt noch sehr viel Arbeit für meine Nachfolger und Nachfolgerinnen… Ich war in der Anfangszeit sehr darauf konzentriert, das Museum publik und populär zu machen, es „am Laufen“ zu halten. Man muss bedenken, dass ich das Museum seit 21 Jahren mit einer halben Stelle leite und meine Ressourcen begrenzt sind. Aber ich habe mich immer schon für Dokumente, für die Geschichten hinter der Geschichte interessiert, und vor allem auch für die Menschen, die sich mit diesem Medium beschäftigen. Ich würde gerne, wenn ich die Zeit finden werde, noch ein Buch über alle schreiben, die ich kennengelernt habe, die eine Verbindung zu diesem Museum und zu dieser Sammlung haben.
Apropos: Ich habe eine Schriftenreihe aufgelegt, die heißt „PuK p.s.“, mittlerweile mit 8 Publikationen zu verschiedenen Themen der Puppentheaterkultur.

Markus Dorner im Museumsarchiv © Moritz Leick
Moritz Leick: Die Privatsammlung Rother bildet ja den Kern dieser Ausstellung. Schon bevor es das Museum gab, war sie bekannt, sehr umfangreich und von hohem Wert. Sie barg unter anderem Kunstwerke von Figurenbauergrößen wie Till de Kock, Theo Eggink und Fritz Herbert Bross. Wie ist diese Sammlung ausgerechnet nach Bad Kreuznach gekommen?
Markus Dorner: Hier in Bad Kreuznach gab es schon zwei Museen: Oben das Römermuseum und vor uns das Schlossparkmuseum. Nun suchte man eine Nutzung für dieses unter Denkmalschutz stehende, hundertjährige Gebäude dazwischen, in dem wir uns gerade befinden. Man wollte ein Thema, das eine Klammer schafft zu den beiden anderen Häusern, und kam auf „Figurentheater“. Dann hing es natürlich, wie so oft auch von bestimmten Menschen ab. In dem Fall war es der heutige Staatssekretär für Familien, Frauen, Kultur und Integration in Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. Jürgen Hardeck, der ein ausgewiesener Kenner der Materie und ein großer Puppentheater-Fan ist. Er hat sich dafür eingesetzt, dass diese Sammlung nach Rheinland-Pfalz kommt. Denn in Bad Kreuznach selbst gab es keine großartige Puppentheater-Geschichte, wo man hätte anknüpfen können. Wobei, wenn man in die Tiefe geht, gibt es hier in Rheinland-Pfalz Linien, die zu interessanten Punkten der Puppentheater-Geschichte führen. Das wird auch hier im Museum an passender Stelle leicht thematisiert. Letztendlich war es eine kulturpolitische Entscheidung, dass hier ein Puppentheatermuseum gegründet wurde. Mein Hauptanliegen war, dass möglichst viele Menschen nach 20 Jahren sagen: „Ja, genau das ist das, was wir gebraucht haben. Ein Puppentheatermuseum, das alle Altersgruppen anspricht, das Fachleute befriedigt, aber auch unkundige Menschen in seinen Bann zieht.“ Natürlich, ich freue mich immer über Fachleute im Haus, aber ich glaube, man muss raus aus diesem Elfenbeinturm.
Moritz Leick: Klingt ein bisschen danach, dass Rheinland-Pfalz und spezifisch Bad Kreuznach relativ konkurrenzlos waren.
Markus Dorner: Nein, es meldeten sich damals schon noch andere Interessenten. Zum Beispiel gab es eine Vorläuferausstellung in Koblenz oben auf der Festung, die sehr erfolgreich war. Das Puppentheater profitiert oft von einer gewissen Unterschätzung. Die Menschen denken: „Hier gibt es ein Römer-Museum, da pilgern alle hin.“ Und sind dann überrascht, dass ein Puppentheatermuseum mehr Besucher hat als die Hochkultur der Römer mit ihren sehr schönen Fresken und Thermalbädern. Positiv zu überraschen – das war schon immer eine Stärke des Puppentheaters.
Moritz Leick: Wie groß ist denn der Zulauf im Museum?
Markus Dorner: Im Jahr haben wir bis zu 20.000 Besucher jeder Altersgruppe und sind damit in Rheinland-Pfalz eines der Museen, das in dieser Größe, mit diesem Personal, in einer Stadt dieser Größe die meisten Besucherzahlen aufweist.
Moritz Leick: Und wie umfangreich ist der Fundus, vor allem was die Epochen und auch die geographische Herkunft der Puppen angeht?
Markus Dorner: Wir sammeln hier historische Theaterfiguren aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert mit dem Schwerpunkt Deutschland. Das hängt mit der Ursprungssammlung von Karl-Heinz Rother zusammen. Ergänzend dazu haben wir uns bemüht, für alle von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannten internationalen Puppenspieltraditionen Belege zu sammeln und damit auch einen Bereich für internationale Theaterfiguren aufzubauen. Hinzu kommen wertvolle Exponate zum zeitgenössischen–innovativen Figurentheater.

"Der Storch auf seinem Morgenspaziergang" von Albrecht Roser im Ausstellungsbereich © Moritz Leick
Moritz Leick: Wir hatten schon gesagt, 2004 sind Sie Leiter des Museums für PuppentheaterKultur geworden. Seitdem hat sich unglaublich viel in dieser Welt getan. Social-Media, Streaming waren damals noch gar nicht denkbar und sind heute aus unserem alltäglichen Medienkonsum gar nicht mehr wegzudenken. Meinen Sie, dass das Figurentheater einen Wert hat, der solche Entwicklungen überlebt?
Markus Dorner: Auf jeden Fall. Das Figurentheater wird es immer geben, denn es hat eine Stärke und Möglichkeiten, die andere Kunstformen nicht haben. Figurenspieler können Menschen auf der ganzen Welt ansprechen, wenn sie zum Beispiel auf Sprache verzichten und auf das Visuelle gehen. Eine andere große Stärke ist, dass viele Altersgruppen und eine breite Zielgruppe angesprochen werden – nicht nur aus der sogenannten Hochkultur. Viele FigurentheatermacherInnen gehen ja nach wie vor auch direkt in Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Bibliotheken und machen dort Basisarbeit. Natürlich braucht es auch die großen Festivals, wo die innovativen Sachen zu sehen sind. Ich habe auch schon viele tolle Inszenierungen gesehen, in denen die Medien sich mischen und Puppenspieler mit diesen neuen Medien spielen. Da war ich auch begeistert. Ich freue mich aber immer, wenn ich Inszenierungen erlebe, wo ich merke, der oder die hat das nicht nötig und verzichtet darauf und schafft es trotzdem. Ich selbst bin einfach kein Typ der neuen Medien, zur Schande meiner Familie.
Und ich muss noch etwas Provokantes sagen: Ich betreue hier im Haus auch die Pressesammlung vom Verband Deutscher Puppentheater und da sehe ich, wie viele tolle Artikel im Laufe der Zeiten schon geschrieben wurden und denke mir: „Von wem wurden die gelesen?“. Und dann brachte mir jemand mal einen Artikel der Bild-Zeitung. Der Volksmusiker Stefan Mross hatte eine Puppenspieler-Tochter geehelicht und der Aufmacher auf der ersten Seite war: „Stefan Mross liebt diese Puppe“. Da habe ich mich gefragt, wie viele tolle anspruchsvolle Artikel wir zum Figurentheater schreiben müssen, um diese Bildzeitungsartikel mit einer Millionen-Auflage wieder im Kopf der Menschheit auszugleichen. In diesem Spannungsfeld befindet man sich, wenn man auch auf der theoretischen Seite das Puppentheater immer wieder weiter nach vorne bringen will. Und da komme ich wieder zurück zu Albrecht Roser: Am meisten kann man wahrscheinlich erreichen, wenn die Menschen sich angesprochen fühlen, begeistert sind und einfach etwas erleben, was sie nicht erwartet haben. Dann werden sie wiederkommen oder es ihren Nachbarn oder Nachbarinnen erzählen. Ich glaube, das ist immer noch die beste Werbung.
Moritz Leick: Sie warten aber nicht nur, dass über Sie geschrieben wird, Sie gehen auch nach draußen. Wie sieht Ihr museumspädagogische Konzept konkret aus?
Markus Dorner: Mir war es immer wichtig, da ich mehr vom Puppentheater-Spielen komme als vom Puppentheater-Gestalten, dass sich beide Aspekte auch in unserer Museumspädagogik wiederfinden. Ich will, dass die Menschen erleben, was in dem Moment passiert, wenn ich das, was da gebaut wurde, auch lebendig werden lasse. Was passiert mit mir als Spieler oder Spielerin? Und was passiert mit dem oder der, die das sieht, diese bewegte Figur?
Moritz Leick: Und was haben Sie hier in der weiteren Zukunft vor? Wie meinen Sie, kann ein Puppentheaterfachmuseum zeitgemäß bleiben?
Markus Dorner: Ich glaube, das wird nicht mehr vollends nur in meiner Verantwortung liegen. Vor 20 Jahren haben viele gesagt: „Das ist mal ganz anders gemacht, dieses Puppentheatermuseum, mit den Mitmachstationen, mit einer gewissen Technik, mit dem Veranstaltungsbereich, mit der modernen Gestaltung.“ Neulich war ich im Puppentheatermuseum in Lübeck und stelle natürlich fest, heute spielen wieder ganz andere Themen eine Rolle. Zum Beispiel Gendern, Sensibilität für Rollenbilder oder interkulturelle Themenstellungen. Das ist auch alles interessant und spannend. Es wird einfach so sein, dass dereinst ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin hier für das Bad Kreuznacher Puppentheatermuseum eine andere Richtung einschlagen wird. Da sind wir mal – frei nach dem Kasperspieler Frieder Simon - neugierig, ob wir gespannt sind, wie das sein wird. Bis dahin lockt unsere aktuelle „frische“ Sonderausstellung über den Figurenbaumeister Jürgen Maaßen unter dem Titel „GESCHNITZT – GEFORMT –GESTALTET“ zum Museumsbesuch in Bad Kreuznach. Das ist Kunst, Handwerk und Können ganz und gar un-digital, aber mit Überzeugungs-Potential.
Moritz Leick: Das ist sehr vielversprechend, auch oder gerade weil es noch einiges offenlässt. Herzlichen Dank für das Gespräch.
Museum für PuppentheaterKultur
Öffnungszeiten:
Dienstag 10:00-13:00 Uhr
Mittwoch-Freitag: 10:00-16:00 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage: 11:00-17:00 Uhr
Montag und im Februar geschlossen.
Die Sonderausstellung "GESCHNITZT – GEFORMT – GESTALTET - Das Werk des Hamburger Figurenbaumeisters JÜRGEN MAAßEN" ist bis 30. Dezember 2026 zu sehen.