Fußnoten aus dem späten 21. Jahrhundert
„Ich will nur sagen: Zwei Stunden eine Zigarette rauchen, vielleicht geht das auch schneller.“ Es sind ganz alltägliche Konflikte, die in Svealena Kutschkes Stück Fußnoten aus dem späten 21. Jahrhundert das Salz in der faden Suppe des Büroalltages zwischen Abheften, Tackern und Kopieren darstellen. Gruber, Noll, Weber, Kessler und „Das paranormale Phänomen“ arbeiten im Großraumbüro einer Behörde. Den Zweck ihres Tuns beschreiben sie so: „Aber unsere Aufgabe ist ja nicht das Lösen der, ähm, Probleme. Wir sind dafür zuständig, die, ähm, Probleme zu verwalten.“ In diesen Fußnoten steckt eine gute Portion Stromberg, doch bei Svealena Kutschke gibt es auch noch eine Außenwelt, in der es ziemlich übel zugeht. So sehr sich die wackeren Angestellten auch bemühen, die Katastrophe zu ignorieren, irgendwann können sie den riesigen Fleck, der sich an der Wand ausbreitet und überdeutlich vom nahenden Untergang kündet, nicht mehr übersehen. Und natürlich fragen sie sich: Warum hat dieser Fleck exakt die Umrisse von Deutschland?
Svealena Kutschke erzählt in Fußnoten aus dem späten 21. Jahrhundert mit einem hintersinnigen, manchmal absurden Humor, der sich mehr und mehr zuspitzt und verdunkelt, von Menschen im Großraumbüro einer Behörde, die unbeirrt ihre überflüssig gewordenen Aufgaben erfüllen, während draußen längst die gewohnte Ordnung zerbröckelt und das Chaos langsam durch die Wände ins Büro sickert. Mit diesem Text gewann sie 2025 beim renommierten Heidelberger Stückemarkt den erstmals vom Deutschen Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst e.V. und dem Musiktheater im Revier (MiR) gemeinsam ausgelobten FIDENA Stückepreis.
Termine und Tickets auf der Website des MiR
Die 1977 in Lübeck geborene Svealena Kutschke lebt in Berlin und veröffentlichte bislang fünf Romane. Im Jahr 2019 wurde ihr erstes Theaterstück zu unseren Füßen, das gold, aus dem boden verschwunden uraufgeführt. Es folgte 2023 no shame in hope (eine Jogginghose ist ja kein Schicksal), das am Theater Oberhausen seine Uraufführung erlebte. Die Autorin war mehrfach Stipendiatin des Goetheinstitutes und erhielt etliche Auszeichnungen.
Inszeniert wird die Uraufführung der Fassung für Puppentheater von Pablo Lawall. Der 1993 geborene Regisseur studierte an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Als Regisseur und Theatermusiker arbeitete er unter anderem am Nationaltheater Mannheim, Staatstheater Mainz, Theater Münster, Schauspiel Dortmund und am MiR, wo er 2023 Der Mensch erscheint im Holozän (Kritik auf fidena.de) inszenierte. Gemeinsam mit dem Autor*innen-Duo Sokola//Spreter gewann er 2022 mit dem Stück POLAR den Nachwuchswettbewerb am Theater in der Drachengasse in Wien, sowie 2023 mit DER GRUND. Eine Verschwindung den Reinhold Otto Mayer Preis.
Fußnoten aus dem späten 21. Jahrhundert entsteht als Koproduktion des MiR mit Fidena und Theater und Orchester Heidelberg. Die Inszenierung wird als Gastspiel im Rahmen des Heidelberger Stückemarkts 2026 (24.04.-03.05.2026) auch in Heidelberg gezeigt.