Brann, Paul

Der Regisseur Paul Brann (1873 Oels – 1955 Oxford/Großbritannien) gründete 1905 unter dem Einfluss des Münchner Jugendstils das „Marionettentheater Münchner Künstler“. Er gilt als der Begründer und erste Regisseur des Künstlerischen Marionettentheaters in Deutschland. Seinen weltweiten Ruf und die Ausstrahlungskraft seiner Theaterarbeit auf andere Bühnengründungen im In- und Ausland verdankte er vor allem der Mitarbeit bedeutender bildender Künstler als Ausstatter und Puppengestalter (unter anderen Ignatius Taschner, Jakob Bradl, Josef Wackerle, Leo Pasetti, Ernst Stern, Olaf Gulbransson), aber auch einem für das Marionettentheater völlig neuartigen literarisch und musikalisch orientierten Spielplan mit Stücken von beispielsweise Pocci, Molière, Maeterlinck, Schnitzler sowie Opern und Singspielen von Gluck, Offenbach und Mozart.
Branns künstlerisches Ideal war das „Gesamtkunstwerk“, wie es der Jugendstil anstrebte. Er emigrierte 1934 nach Großbritannien, wo er nach langjähriger Lehr- und Spieltätigkeit in Oxford starb. Branns künstlerischer Nachlass wird heute im Puppentheatermuseum München aufbewahrt und gelegentlich noch theatralisch genutzt.

Manfred Wegner

Literatur: Till, Wolfgang: Puppentheater. Bilder. Figuren. Dokumente, München 1986

Bildnachweis: Marionettentheater Münchener Künstler, Paul Brann; "Die Zaubergeige" von Franz Pocci, Ausstattung: Jakob Bradl, Premiere: 1910, Fotograf unbekannt, Bildvorlage: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Puppentheatersammlung