Bauhaus

Unter der Leitung des Architekten Walter Gropius wird 1919 in Weimar die modernste Kunstschule ihrer Zeit, das „Staatliche Bauhaus“ gegründet. Es entwickelt sich ein hohes Niveau des kreativen Austauschs zwischen künstlerischen Experimenten und deren praktischer Realisierung. Der am Bauhaus entstandene funktional-nüchterne Stil revolutioniert Architektur und Design. Aus politischen Gründen muss das Bauhaus 1924 in Weimar seinen Betrieb einstellen. Es wird im folgenden Jahr in Dessau neu gegründet, 1932 findet die Arbeit jedoch auch dort ihr Ende. Nach einer kurzen Zeit als private Einrichtung in Berlin, löst sich das Bauhaus 1933 auf.
Die 1921 am Bauhaus ins Leben gerufene Bühnenwerkstatt versteht sich als Experimentierfeld. Walter Gropius, Farkas Molnàr und andere entwerfen Theaterräume, in denen die herkömmliche Guckkastenbühne visionär überwunden wird. Oskar Schlemmer, ab 1923 Leiter der Bühnenwerkstatt, sieht Theater eingebunden in eine Gesamtkonzeption der visuellen Künste. Er erforscht das Verhältnis von Form, Farbe und Bewegung im Raum. Am bekanntesten wird seine Arbeit durch das „Triadische Ballett“, in dem geometrische Ganzkörperkostüme die Tänzer so umhüllen, dass der Eindruck von bewegten Plastiken im Raum entsteht. Andere Künstler, wie Ludwig Hirschfeld-Mack, experimentieren mit der neuen Technik des Films, erfinden „Farbenlichtspiele“ als Theater-Genre. Bei Kurt Schmidt oder Laszlo Moholy-Nagy entsteht in der radikalen Abkehr vom psychologisch motivierten literarischen Theater ein Interesse an technisierten Bühnenvorgängen. Schmidt entwickelt das „Mechanische Ballett“, bei dem unsichtbare Darsteller-Techniker lediglich als Motoren der Formen und Figuren fungieren, Moholy-Nagy eine „Mechanische-Exzentrik“, in der Formen, Farben und Licht mit den Mitteln der Bühnentechnik in Bewegung versetzt werden. Wassily Kandinsky ergänzt die abstrakte Kunst um Aspekte von Zeit und Bewegung. Seine „Bilder einer Ausstellung“ zeigen die Verbindung von Musik und Malerei als theatrales Ereignis.
Auch wenn etwa Kurt Schmidt sich bei der Beschäftigung mit mittelbarer Bühnenbewegung auch für Marionetten interessierte, so gibt es doch keinen direkten Austausch der Bauhauskünstler mit dem Puppentheater ihrer Zeit. Erst Jahrzehnte später werden deren Experimente zur Inspirationsquelle für Puppenspieler. Versuche, die damaligen Entwürfe rekonstruieren sind seit 1980er Jahren ebenso zu verzeichnen wie die Reflexion konzeptioneller Bauhaus-Gedanken in zeitgenössischen Inszenierungen.

Rike Reiniger

Bibliographie: Schlemmer, Oskar, Moholy-Nagy, Laszlo, Molnar, Farkas: Die Bühne im Bauhaus, Mainz 1965 / PUCK, Avantgarde und das Figurentheater, franz. und deutsche Ausgabe
Bildnachweis: Marionetten der Versuchsbühne des Bauhauses in Weimar unter der Leitung von Oskar Schlemmer, Foto: Frank Höhler,  Bildvorlage: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Puppentheatersammlung