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Online-Lexikon

Sammlung Puppentheater und Schaustellerei des Münchner Stadtmuseums

In Folge des 1939 nicht realisierten Ausstellungsvorhabens „Das süddeutsche Puppenspiel“ gründete die Stadt München im Jahr 1940 das Puppentheatermuseum und unterstellte es der Leitung von Ludwig Krafft (1901–1977). Das Museum sammelt und dokumentiert seither alle Bereiche des Figurentheaters. Die frühesten Bestände stammen aus der Zeit um 1800. Die international ausgerichtete Sammlung von ca. 13.000 Figuren umfasst Handpuppen, Marionetten, Stab- und Schattenfiguren, Theatrum Mundi, Laterna magica, mechanische Figuren sowie Papiertheater und wird durch Schenkungen und Ankäufe ständig erweitert. Der Arbeitsschwerpunkt des Museum liegt auf der Erschließung des traditionellen und des künstlerischen Puppen- und Figurentheaters in Deutschland. Hinzu kommen reichhaltige Bestände aus anderen europäischen Ländern sowie aus Asien und Afrika.
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SCHAUBUDE BERLIN Theater. PuppenFigurenObjekte

1993 wurde das Theater als DIE SCHAUBUDE Puppentheater Berlin in den Räumen des 1990 geschlossenen Staatlichen Puppentheaters Berlin in der Greifswalder Straße als zentrale Spielstätte des Berliner Puppen-, Figuren- und Objekttheaters eröffnet. Sie ist der einzige auf Puppen- und Figurentheater spezialisierte Veranstalter deutscher und ausländischer Gastspiele in Berlin, der über eine eigene Spielstätte und ein kontinuierliches Gastspielangebot verfügt. Zugehörig zur Kulturprojekte Berlin GmbH und gefördert durch das Land Berlin, definiert sich das Profil der SCHAUBUDE über die künstlerischen Handschriften und ästhetischen Konzepte der gastierenden Gruppen. Der größte Teil der Vorstellungen wird von Berliner Puppen- und Figurentheatern bestritten. Nationale und internationale Gastspiele finden im Kontext thematischer Gastspielreihen, als Sondergastspiele oder im Rahmen von konzeptionell genau definierten Festivals statt. 
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Scheibler, Annette

Die Puppenspielerin Annette Scheibler (* 1967 München) studierte 1987-92 am Studiengang Figurentheater Stuttgart und spielt seit 1992 unter dem Namen Theater pepperMIND als freie Tourneebühne mit Sitz in Stuttgart (Deutschland). Nach Solostücken, „Romeo & Julia“ (1994), „Klodette kocht“ (1996) und „Blaubart“ (1998), sucht sie die Ensemblearbeit u. a. mit Gyula Molnar, Astrid Griesbach und dem Ensemble Materialtheater Stuttgart, mit dem sie seit Jahren fest zusammen arbeitet. Scheiblers Spiel changiert zwischen Objekttheater und Rolle. Es zeichnet sich durch eine Affinität zu Gegenständen aus, die als Partner behandelt werden, sowie ihre schauspielerische Bühnenpräsenz, die mit den Mitteln des Erzähltheaters, clownesk-komödiantischer Spielweise bis hin zu Volkstheateraspekten arbeitet.
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Schichtl, Familie

Die Familienchronik dieser aus Süddeutschland stammenden Schausteller- und Puppenspielerdynastie reicht zurück auf das letzte Drittel des 17. Jahrhunderts. Die frühen Generationen widmeten sich dem Bau von beweglichen Krippen, betrieben mechanische Kunstkabinette, reisten als Instrumentalvirtuosen und zeigten zoologische Museen. 1869 gründeten die Söhne von Johann Evangelist Ignatz Schichtl, Julius, Franz August und Michael August, in München ein Zaubertheater. Ihr jüngerer Bruder Johann begann seine berufliche Laufbahn 1867 mit dem „Münchner Kasperltheater“, das er ab den 1870er Jahren um ein reisendes Spezialitätentheater erweiterte. Auch Franz August und Michael August bereisten nach 1880 die Festplätze in Deutschland mit aufwändig gestalteten Zelt- und Holzbauten und zeigten ein repräsentatives Marionetten- und Varietéprogramm: Trickmarionetten (Fantoches), Szenen mit Kakautzkyfiguren, Theatrum mundi, Laterna magica-Projektionen, Phantasmagorien, Kinematographie, Zauberei und Pantomimen.
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Schmid, Josef Leonhard

Josef Leonhard Schmid (1822 Amberg - 1912 München) eröffnete am 5. Dezember 1858 in München mit aktiver Unterstützung Franz von Poccis das "Münchner Marionetten-Theater". Schmid präsentierte seine Marionettenvorstellungen für Erwachsene und Kinder in wechselnden Spiellokalen, bis die Stadt München für ihn ein festes Haus erbaute. Es wurde am 3. November 1900 eröffnet und wird noch heute als Marionettentheater betrieben. Mit „Papa Schmid“, der auch als guter Kasperspieler galt, und seinem Theater begann in Deutschland die Reform des Puppenspiels mit einer eigenen, vom Schauspielertheater unabhängigen Dramenliteratur. 
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Schröder, Carl

Der deutsche Puppenspieler, Ausstatter und Regisseur (1904 Kötitz/Sachsen – 1997 Radebeul) hatte zunächst einen technischen Beruf erlernt, begann jedoch wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage 1925 eine Ausbildung zum Werklehrer. Angeregt durch Aufführungen von Max Jacob, Werner Perrey und Carl Iwowski wurde er Ende der zwanziger Jahre selbst Berufspuppenspieler. Er spielte gemeinsam mit seiner Frau Henriette („Henny“) geb. Quoadt (1900-1982). Zunächst orientierte er sich an am Stil der Hohnsteiner Puppenspiele, später ließ er sich von Oswald Hempel inspirieren. 

Schück, Theodor

Das Handpuppentheater des Kunsterziehers Theodor Schück (1882 Opfingen i. Br. – 1956 Freiburg i. Br.) wurde 1912 in Freiburg i.B. gegründet. Es erreichte rasch einen hohen künstlerischen Standard. Die Produktionen waren gekennzeichnet von einem Romantik und Realismus ironisch vermischenden Ineinander von Märchen und aktueller Parodie. Schück trieb ein Verwirrspiel mit der kleinstädtischen Biederkeit seiner Umgebung und führte in der Handlungs- und Dialogführung seiner Lokalpossen den so genannten gesunden Menschenverstand seiner Protagonisten in die Aporien von Ordnungsvorstellungen, denen jegliche Grundlage entzogen war. Die unter dem Pseudonym „Alexander Pepusch“ von Schück publizierten Spiele zeugen von der vertrackten Logik und Sprachkunst seines Vorbildes, dem großen deutschen Komiker Karl Valentin.

Manfred Wegner
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Schütz & Dreher

Die deutschen Marionettenspieler Josef Schütz und Johann Georg Dreher stammten aus alten Marionettenspielerfamilien. Schütz starb vermutlich nach 1826, Dreher soll 1806 verstorben sein. Sie galten neben Geisselbrecht als die besten Prinzipale ihrer Epoche. Beide reisten nur kurze Zeit zusammen, werden aber seit ihrem Gastspiel in Berlin 1803/04 stets in einem Atemzug genannt. Dieses Gastspiel beeindruckte die literarisch interessierten Kreise Berlins, die im Repertoire zahlreiche Überbleibsel des Wanderschauspiels des 17. Jahrhunderts entdeckten. Vom „Dr. Faust“ machten Studenten während der Aufführungen Mitschriften, die jedoch fragmentarisch blieben. Auch waren Schütz & Dreher die ersten, die den Kasperl als komische Figur des Puppenspiels in Norddeutschland einführten.

Lars Rebehn
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Schwabinger Schattenspiele

Die unter der Leitung des Literaten Alexander von Bernus (1880–1965) stehende Bühne trat 1907 in München erstmalig in Erscheinung. Bernus verstand sein Unternehmen als radikales ästhetisches Experiment, das sich von den naturalistischen Konventionen der zeitgenössischen Theaterpraxis löste, indem die Flächenkunst des Jugendstils zur szenischen Bühne des lyrischen Ausdrucks transformiert wurde. Er suchte im Schattenspiel die „entmaterialisierte Welt der wachen Träume“ (Bernus), sichtbar zu machen als Ausdrucksform der neu-romantischen Dichtkunst. Neben Stücken des romantischen Schattenspielrepertoires kamen auch neue Dichtungen zur Aufführung, die der vom Symbolismus beeinflussten Sprachmagie des Lyrikers Stefan George nahe standen. Mit Beginn des expressionistischen Zeitalters schlossen die Schwabinger Schattenspiele 1912 ihre Tore.

Manfred Wegner
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Siegel, Harro

Harro Siegel (1900 Kassel – 1985 Göttingen) gründete 1928 sein Marionettentheater, orientierte sich in der Repertoiregestaltung an den von der jungen deutschen Musikbewegung ausgehenden Impulsen und begleitete die Tourneen deutscher und englischer Sing- und Tanzgruppen nach Großbritannien und Dänemark. Kennzeichnend für Siegels Arbeit war die Tatsache, dass er sich stets in einem Umfeld ansiedelte, das ihm künstlerische Betätigung gewährte, ohne vom Risiko einer privatwirtschaftlichen Absicherung behindert zu werden. Auf diesem Hintergrund wird verständlich, dass er sich 1938 als künstlerischer Leiter an das →Reichsinstitut für Puppenspiel in Berlin verpflichten ließ. Diese Tätigkeit hat er später bedauert, seine künstlerische Produktion und seine abhängige Stellung innerhalb der nationalsozialistischen Bürokratie jedoch zwiespältig verklärt.
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Simon, Frieder

Der deutsche Handpuppenspieler, Ausstatter, Autor, Musikant und Regisseur wurde 1936 in Leipzig geboren. Er gehört zu den bedeutendsten Kasperspielern des deutschsprachigen Raumes seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Simon studierte von 1958-1963 an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle an der Saale. Bereits in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts spielte er gemeinsam mit seinem Vater Handpuppentheater. Zu seinen künstlerischen Vorbildern zählen außerdem die Handpuppenspieler Carl Schröder, Hans Frannek, Walter Büttner und der Ungar Henryk Kemeny.
Mit seiner Puppengestaltung versuchte Simon eine Symbiose aus Prinzipien zeitgenössischer Formgestaltung und traditionellen Formen des Handpuppenspiels. In seinem Texten und vor allem seinem durch Improvisation geprägten Spiel verleugnete sein Kasper seine plebejische Herkunft nicht, formulierte sie jedoch „salonfähig“.

Bildnachweis: Der Jägerchor. Aus dem Puppenspiel "Der Freischütz". Original Kunstfiguren und Caspertheater Larifari von Frieder Simon, Halle 1964, Bildvorlage: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Puppentheatersammlung
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Soehnle, Frank

Der deutsche Figurenspieler und Regisseur Frank Soehnle (* 1963 Stuttgart) absolvierte 1983–1987 den Studiengang Figurentheater Stuttgart, leitete 1987–90 das Karlsruher Figurentheater „Marotte“ und gründete 1991 mit Karin Ersching das freie Tourneetheater „figuren theater tübingen“. Mit Solo- u. Ensembleproduktionen gastiert er seither weltweit. Herausragend die Solostücke „Nachtgesichter“ (1991) und „Flamingobar“ (1996), visuelle Gedichte auf der Schwelle zwischen bildender und darstellender Kunst. 
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Steinmann, Peter Klaus

Der Puppenspieler, Autor, Figurenbildner, Dramaturg und Regisseur (1935 Berlin – 2004 Berlin) war tätig im Theater, im Fernsehen und als Hochschullehrer und prägte, gemeinsam mit seiner Frau Benita, wie wenige andere das (west-)deutsche Puppentheater der ersten Nachkriegsgeneration. Dabei verkörpert Steinmann gleichsam den gelebten künstlerischen Versuch eines Brückenschlags von der Volkskunst des Puppenspiels im Sinne der Hohnsteiner (Max Jacob, Friedrich Arndt) zur Theaterkunstform „Figurentheater“ – zwischen den volkserziehenden Kaspertheatertypen und den psychologisch differenzierteren Rollenentwürfen.
Das Literarische Figurentheater Steinmann „die bühne“ war Teil und zugleich Motor einer Emanzipationsbestrebung des deutschen Puppenspiels, die kennzeichnend für die 1960er und 70er Jahre war und deren Ausläufer bis in die Gegenwart fortwirken. Künstlerisch knüpfte diese Bewegung zum Teil an ästhetische Errungenschaften der 1920er und 30er Jahre an, politisch rang sie um die Anerkennung des Puppen- und Figurentheaters als ernst zu nehmende theatralische Kunstform.
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Studiengang Figurentheater, Stuttgart

Der Studiengang Figurentheater besteht seit 1983 als ein eigenes Departement der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. „Figurentheater“ ist hier ein Sammelbegriff, der Materialtheater, Objekttheater und Puppentheater zusammenfasst. Das Studium fördert und begleitet ausdrücklich den individuellen künstlerischen Prozess konzeptioneller Entscheidungen und betreibt die dafür notwendigen bildnerischen und darstellerischen Experimente. Die wesentlichen Studieninhalte werden dabei vor allem in Spielprojekten vermittelt. Dort werden Szenen, Stücke und Ausdrucksmittel konzipiert, hergestellt, inszeniert und zur Aufführung gebracht.