Fritz-Wortelmann-Puppensammlung
Der Theaterwissenschaftler und Verleger Fritz Wortelmann (1902-1976) setzte sich sein Leben lang für die Belange des Figurentheaters in Deutschland ein.
Mit dem Ziel der Dokumentation und Verbreitung sammelte er u.a. Theaterfiguren aus aller Welt. Dabei halfen ihm vermutlich die vielen Kontakte zu Puppenspieler*innen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen während seiner langjährigen Arbeit. Denn eines der Ziele des von ihm gegründeten Deutschen Instituts für Puppenspiel (DIP) war das Sammeln und Ausstellen von Theaterfiguren, „um auf diesem Wege Kenntnis über das Puppenspiel zu verbreiten und ganz allgemein für den Gedanken des Puppenspiels zu werben.“ (Wortelmann im Entwurf des Instituts, ca. 1948)
Die Sammlung vergrößerte sich seit der Eröffnung des Deutschen Forums für Figurentheater und Puppenspielkunst als Nachfolgeorganisation des DIP um Ankäufe und Bestände privater Sammler*innen.
So entstand die Fritz-Wortelmann-Puppensammlung, deren wunderbare Vielfalt wir im imaginären Museum Puppets 4.0 und hier durch eine exemplarische Auswahl präsentieren möchten.
Fotografien: Simon Baucks
Fagiolino - Italienische Komische Figur
Fagiolino ist eine Bologneser Marionette aus dem 18. Jahrhundert. [1] Als witziger und unternehmungslustiger Diener, immer für Initiativen und Unfug aller Art bereit, verkörpert er den archetypischen Trickster. Ursprünglich war er einer der Namen der Zanni der Commedia dell'arte. [2]
Die Erfindung dieser Figur wird dem Puppenspieler Cavallazzi zugeschrieben. [1] In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts wird es durch die komische Vorstellungskraft und Finesse eines anderen komischen Puppenkünstlers, Angelo Cuccoli, vollständig definiert, das heißt, es wird zu dem, was es heute noch ist. Weitere berühmte Interpreten dieser Tradition waren Gualtiero Mandrioli und Demetrio Presini [1][2][3]
Die Figur stellt eine Stimme des Protests dar, bunt und lächelnd, gekleidet wie ein Bürger der Bologneser Slums des achtzehnten Jahrhunderts, normalerweise hungrig, schmutzig und zerlumpt,[4] und sehr lebhaft und immer bereit, Unfug zu treiben. [1][2] Der Name kann mit "Buche" (dem Holz seines Stockes) oder mit "Bohne", der typischen Hülsenfrucht der ärmlichen Tische des Volkes, in Verbindung gebracht werden. [4] Fagiolino ist ein gefräßiger Diener, aber was ihn auszeichnet, ist ein kluger, streitsüchtiger, optimistischer Geist, der bereit ist, sich selbst zu tun und Gerechtigkeit walten zu lassen. [1]
Verheiratet mit Isabella, die er mit liebevoller Unverschämtheit in "Brisabela" umbenannte, was im Bologneser Dialekt nicht wirklich charmant, oder vielmehr nicht schön bedeutet,[4][5] hat er Sganapino zum Freund,[6] und als Antagonist meist Dr. Balanzone.
Quellen:
https://it.wikipedia.org/wiki/Fagiolino
- Fagiolino, in le muse, IV, Novara, De Agostini, 1965, S. 439.
- Fagiolino, in Treccani.it – Enciclopedie on line, Rom, Istituto dell'Enciclopedia Italiana. Abgerufen am 30. Juni 2021.
- Alessandro Cervellati, Storia dei burattini e burattinai bolognesi, Bologna, Cappelli editore, 1964
- Masken, auf burattinidiriccardo.it. Abgerufen am 30. Juni 2021 (archiviert vom Original am 9. Juli 2021).
- Masken, auf burattinidiriccardo.it. Abgerufen am 30. Juni 2021 (archiviert vom Original am 9. Juli 2021).
- Mit "Fagiolino e Sganapino" entdecken wir die Bolognesity, auf bambiniegenitori.it. Abgerufen am 4. Februar 2023.
3D-Modell einer bolognesischen komischen Figur "Fagiolino"
Die 3D-Modelle sind durch die Erfassung der Exponate in einem photogrammetrischen Verfahren entstanden.
©dfp in Zusammenarbeit mit Digifactura, 2020