Die Preisverleihung
22. September 2025
Am Sonntag, den 21. September hat der Wettbewerb um den 49. Fritz-Wortelmann-Preis für Figurentheater mit der Preisverleihung in den Kammerspielen des Schauspielhaus Bochum seinen feierlichen Abschluss gefunden. Oberbürgermeister Thomas Eiskirch überreichte die Preise an die Gewinner:innen, die zuvor von den Jurys der drei Wettbewerbskategorien gekürt wurden. In den letzten drei Tagen waren 100 Beteiligte aus 8 Bundesländern der Einladung der neuen Fidena-Leitung Helene Ewert und Christofer Schmidt nach Bochum gefolgt, um 18 vielfältige Produktionen zu zeigen.
Als „ein Stück Bochumer Kulturgeschichte“ hob Eiskirch die Bedeutung des ältesten Kulturpreises der Stadt hervor. „Die gezeigten Vorstellungen machen deutlich, wie lebendig, mutig und inspirierend Figurentheater sein kann.“

Akira Schroth mit der FRITZ-Trophäe © Jörg Gröger
Sieger der Kategorie Professioneller Nachwuchs ist Akira Schroth aus Berlin mit seinem Objekttheaterstück „fly with u“. Die Jury aus Dana Ersing, Annika Gloystein und Barbara Jessel begründete ihre Entscheidung wie folgt:
„Die respektvolle Sorgfalt mit der Akira Schroth die fiktiven Erinnerungen eines vietnamesischen Vertragsarbeiters teilt, spiegelt sich auch in seinem Umgang mit den Objekten wider. Seine zarte und konzentrierte Spielweise schafft eine Atmosphäre, die es dem Publikum erlaubt, schnell Empathie zu entwickeln. […] Die selten erzählte Perspektive ostdeutscher Personen mit Migrationsgeschichte vermittelt sich, ohne plakativ zu wirken. Das Grauenhafte der realen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen tritt nicht in Konkurrenz mit der fiktiven Liebesgeschichte und ist doch ständig präsent. Die Inszenierung ist nicht nur eine theatrale Verarbeitung der Situation in den 90ern, sondern knüpft eine Verbindung zu heutigen gesellschaftlichen Ereignissen, ist von bestechender Aktualität und wirkt auch deshalb lange nach.“
Er erhielt als Auszeichnung die FRITZ-Trophäe des Bochumer Bildhauers Christoph Platz, die dieses Jahr Armin Rohde nachempfunden ist, welcher es sich zur Freude aller Beteiligten nicht nehmen ließ, die Skulptur persönlich zu übergeben. Der Preis beinhaltet zusätzlich eine Einladung zum Fidena-Festival 2026.

(v.l.n.r.) Johanna Renard, Lara Reimer, Jan Speiser, Jakob Renard © Jörg Gröger
Die Jury für die Erwachsenen Amateure, bestehend aus Monika Pieper, Emilien Truche und Kora Tscherning, kürte zwei Gewinner:innen: Lara Reimer, Johanna Renard und Jan Speiser aus Rostock wurden für ihre Performance „10m - kein zurück“ mit 4.000€ ausgezeichnet. In der Begründung heißt es:
„Aus einem vom Publikum beschriebenen Stück Papier entstand eine scheinbar lebendige Figur, die ihre Angst vor einem Sprung aus der Höhe überwand. Sowohl die Animation als auch der Einsatz der Papierfigur überzeugte: nach ihrem Sprung äußerte die Puppe ihre Überlegungen zur Polarisierung der Gesellschaft. Mit klugen dramaturgischen Setzungen schaffte es das Team, das Thema [Kippen] von einer intimen persönlichen Ebene hin zur Offenlegung gesellschaftlich relevanter Kipppunkte zu führen. Die drei Performer:innen zeigten Theater als einen Ort, an dem mit szenischer Forschung mögliche Antworten auf die unbeantwortbaren Fragen gefunden werden.“

(v.l.n.r) Helene Ewert, Angelika Albrecht-Schaffer, Christofer Schmidt, (hinten) Kora Tscherning, Emilien Truche © Jörg Gröger
Augsburgerin Angelika Albrecht-Schaffer erhielt einen undotierten Ehrenpreis, was die Jury folgendermaßen begründete:
„Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich Angelika Albrecht-Schaffer im Figurentheaterbereich: als Spielerin des Figurentheater Kladderadatsch, als Netzwerkerin der bayrischen Amateur-Figurentheaterszene und nun auch als Türöffnerin für die besondere Form des Lambe-Lambe-Theaters. Der Ehrenpreis wird nicht nur für ihre berührende Inszenierung ‚Tante Ernas Handtasche‘ für je eine Zuschauer:in zum Thema Demenz vergeben, sondern soll ihr langjähriges Engagement für die Amateur-Figurentheaterszene würdigen.“

Mitglieder der Theaterkademie des tjg. Dresden © Jörg Gröger
In der Kategorie Schultheater & Jugendclubs ging der mit 4.000€ dotierte Preis an die Theaterakademie des tjg. Dresden für ihre Performance „Unerhört“. In der Begründung der Jury aus Antonio Cerezo, Sonja Gräf und Bahar Sadafi heißt es:
„Die Jugendlichen der Theaterakademie Dresden haben Stimmen hörbar gemacht, die wir sonst übergehen. Mit Witz, Fantasie, Spielfreude und einem sehr klugen Blick auf unsere Gesellschaft. Sie haben es geschafft, den Figuren Leben einzuhauchen. Das Material wurde im performativen Niveau gehalten. Die Jury war sich einig: Diese Inszenierung ist klug, kreativ, ästhetisch stark – und vor allem eines: absolut unerhört gut!“
Helene Ewert und Christofer Schmidt freuen sich über ihre erste FRITZ-Ausgabe: „Wir danken allen Teilnehmer:innen und unserem Team, die für ein wertschätzendes, intensives und bereicherndes Festival gesorgt haben.“
Das Programm
4. August 2025
Vom 18. bis 21. September zeigt der 49. Wettbewerb um den Fritz-Wortelmann-Preis der Stadt Bochum vielfältiges Figurentheater - kostenlos, für alle! 18 Produktionen mit Marionetten, Handpuppen, Objekten, Schattenspiel oder sprechendem Gemüse bieten ein abwechslungsreiches Programm. Manche Vorstellungen sind schon ausverkauft! (siehe unten)
100 Teilnehmer:innen aus ganz Deutschland treten in Bochum im Rennen um den ältesten Kulturpreis der Stadt an. Es gibt drei Kategorien: Professioneller Nachwuchs, Erwachsene Amateure sowie Jugendclubs & Schultheater.
Wer am Ende gewinnt, verkünden die Jurys bei der feierlichen Preisverleihung am 21. September. Alle zwei Jahre verleiht Fidena im Auftrag der Stadt Bochum den Fritz-Wortelmann-Preis, benannt nach seinem Initiator, der den Wettbewerb 1959 ins Leben gerufen hat.
Alle Informationen zu den Stücken, Altersempfehlungen, Spielstätten, der Preisverleihung und der Karaoke-Party findet ihr im Programmheft zum Download oder hier zum Durchblättern:
Die Auswahl
26. Mai 2025
Beauftragt von der Stadt Bochum, richtet das Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst vom 18.–21. September 2025 den 49. Wettbewerb um den Fritz-Wortelmann-Preis aus.
Aus 49 Bewerbungen hat sich die Auswahljury für 18 Produktionen entschieden.
In den drei Wettbewerbskategorien „Professioneller Nachwuchs“, „Erwachsene Amateure“ und „Jugendclubs & Schultheater“ spiegelt sich die ganze Vielfalt an Themen und Spielformen des Figurentheaters zwischen Heiterkeit und Haltung. Marionetten, Handpuppen, Objekte, Schattenspiel und sprechendes Gemüse bieten ein abwechslungsreiches Programm. Neben Kreationen zu Themen wie mentaler Gesundheit, Bergbau oder machthungrigen Kriegstreibern erwarten das Publikum Klassikeradaptionen wie Shakespeares „Der Sturm“, E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ oder Wilhelm Hauffs „Das kalte Herz“. Auch ein experimenteller Parcours, in dem man auf intime Weise außerirdischen Lebensformen begegnet, ist Teil des Wettbewerbs.
„Wir freuen uns schon sehr darauf, die 100 Beteiligten aus acht Bundesländern in Bochum zu begrüßen. In diesem Jahr kamen besonders viele überzeugende Beiträge des professionellen Nachwuchses aus Berlin. Das zeigt, wie lebendig und kraftvoll die dortige Szene ist – selbst unter den Herausforderungen aktueller Kulturkürzungen, die auch das Figurentheater nicht verschonen. Gleichzeitig sind wir begeistert, dass uns auch starke Arbeiten aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, NRW und Sachsen erreicht haben“, erklärt Christofer Schmidt, der als Dramaturg und zukünftiger künstlerischer Leiter des dfp auch Teil der Jury war.
Die Spielorte sind dieses Jahr das Oval Office des Schauspielhaus Bochum, Rottstr 5 Theater, Kulturhaus Thealozzi, ZEITMAULtheater sowie die Rotunde. Letztere wird auch als Festivalzentrum zum Austauschen, Essen und Feiern einladen. Die glanzvolle Preisverleihung am 21. September findet diesmal nicht im Rathaus, sondern in den Kammerspielen des Schauspielhaus Bochum statt.
Das ausführliche Programm und Informationen zur Ticketreservierung werden im August bekanntgegeben.
Die Auswahljury besteht aus: Juliane Solvång (Künstlerische Referentin der Intendanz des Puppentheaters Magdeburg), Janne Weirup (Geschäftsführerin und künstlerische Leitung des Hamburger Puppentheaters), Florian Rzepkowski (Leitung des Figurentheaters Osnabrück), Christofer Schmidt (Dramaturg und designierter künstlerischer Leiter des dfp) und Moritz Buchmann (Referent für Presse und Öffentlichkeitsarbeit am dfp).
Bewerben konnten sich Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum, die Figuren, Objekte oder Masken verwenden und/oder mit Animationsformen neuer Medien arbeiten und/oder im digitalen Raum stattfinden, wenn sie der Sparte Figuren- und Objekttheater zuzuordnen sind. Die Spieldauer darf maximal 50 Minuten betragen.
Nominiert in der Kategorie Professioneller Nachwuchs:
- Steffi Günther (Bochum/Berlin): „Die Begegnung mit Oltre Terra“
- Marven Rabe (Braunschweig): „as sweet as gravity (Zuckersüße Schwerkraft)“
- Schaper+Richter (Berlin): „Heinrich der Fünfte (Hendrik de Vijfde)“
- Schoenbrodtkuerschner (Böhlen): „SOHLE EINS-ACHTZIG“
- Akira Schroth (Berlin): „fly with u“
- Swoop Kollektiv (Berlin): „Sturzflug“
- Theater MoDak (Berlin): „Bruder Tiger“
- Christine Zeides & Valentin Gorski (Berlin): „Der Sandmann“
Nominiert in der Kategorie Erwachsene Amateure
- Katharina Dunkel (Kirchzarten): „Ein Wurm bringt Glück“
- Figurentheater Kladderadatsch (Augsburg): „Tante Ernas Handtasche - suchen, erinnern, vergessen“
- Amelie Herm (Berlin): „Das weiße Blatt“
- Marionettenbühne Mummenschanz e.V. (Altena): „Die lustigen Weiber von Altena“
- Johanna Renard, Lara Reimer & Jan Speiser (Rostock): „10m - kein zurück“
- Theater Geckogecko (Spalt): „Oktopusical“
Nominiert in der Kategorie Jugendclubs & Schultheater
- FigurenspielClub (Piccolo Theater Cottbus): „Die Linie“
- schatten | theater | spatzen | orchester (Carl-Sonnenschein-Schule Düsseldorf): „Der Sturm“
- Theaterakademie (Theater Junge Generation Dresden): „Unerhört - eine Sammlung unerhörter Geschichten“
- Theater Checker (Puppentheater Zwickau): „Das kalte Herz“
Der FRITZ

Oberbürgermeister Thomas Eiskirch und die Teilnehmer:innen, Jury- und Teammitglieder des FRITZ 2023 © Jörg Gröger
Alle zwei Jahre verleiht das Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst (dfp) im Auftrag der Stadt Bochum den Fritz-Wortelmann-Preis. Benannt nach seinem Initiator Fritz Wortelmann, der den Wettbewerb 1959 ins Leben gerufen hat, ist der FRITZ der älteste Kulturpreis der Stadt Bochum.
Der Wettbewerb wird in drei Kategorien ausgeschrieben:
-
Professioneller Nachwuchs
Künstler:innen und Gruppen, deren Studienabschluss / Ausbildung nicht länger als drei Jahre zurückliegt (Mindestens 50 % der Mitwirkenden muss dieses Kriterium erfüllen.) -
Erwachsene Amateure
Künstler:innen und Gruppen, die mit ihrem Schaffen nicht ihren Hauptlebensunterhalt bestreiten (auch Freie Szene oder Studierende von Studiengängen ohne Bezug zum Figurentheater) -
Jugendclubs und Schultheater
Gruppen von (Musik- / Kunst-)Schulen, Theatern oder Kinder- und Jugendeinrichtungen
Der Fritz-Wortelmann-Preis wird gefördert von der Stadt Bochum, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stiftung der Sparkasse Bochum zur Förderung von Kultur und Wissenschaft.
