Historie

Historie und Leitbild

Historie

Es ist nicht gerade selbstverständlich, dass in einer ehemals durch Bergbau und bis heute weitgehend durch Stahl- und Autoindustrie geprägten Stadt wie Bochum zwei bundesweit arbeitende Institutionen für Puppentheater eingerichtet und gefördert werden. Beide haben ihren Ursprung in einer ersten Institutsgründung im Jahr 1950, als der vom Puppentheater begeisterte Bochumer Theaterwissenschaftler und Publizist Fritz Wortelmann (1902 – 1976) gemeinsam mit dem „Deutschen Bund für Puppenspiel“ und dem „Berufsverband deutscher Puppenspieler“ eine Institution als Ort für Ausbildung, Forschung und Werbung auf dem Gebiet des Puppenspiels initiierte. Wichtiger Ausgangspunkt für die Initiative war der vielfach konstatierte Mangel an Ausbildung im Berufspuppenspiel. So bot das auf Betreiben Wortelmanns in Bochum eingerichtete und bis 1974 unter seiner Leitung stehende „Deutsche Institut für Puppenspiel“ (DIP) Lehrveranstaltungen an und publizierte eine Fachzeitschrift („Der Puppenspieler“, später „Figurentheater“). 1958 begann das DIP mit der Herausgabe der monographischen Reihe „Meister des Puppenspiels“ und mit der Durchführung eines internationalen Festivals gleichen Namens in Bochum, das 1972 in „Figurentheater der Nationen“ umbenannt wurde und bis heute existiert. Aus den Lehrgängen des DIP entstand später das Figurentheater-Kolleg, das als eigenständige Aus- und Weiterbildungseinrichtung auch heute noch in Bochum seinen Sitz hat.

1992, kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands, wurde von der Stadt Bochum und maßgeblichen Verbänden und Ausbildungs-Institutionen des Puppentheaters in ganz Deutschland das „Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst“ (dfp) als neue zentrale Einrichtung geschaffen. Der etwas sperrige und schwer übersetzbare Name ist in gewisser Weise der besonderen Geschichte des deutschen Puppentheaters geschuldet, die sich nach Kriegsende in den zwei deutschen Staaten unter ganz unterschiedlichen Prämissen entwickelte. Im „Westen“ arbeiteten die Puppentheater hauptsächlich als „freie Theater“, außerhalb des Subventionssystems der Stadt- und Staatstheater, häufig als Tourneetheater mit nur wenigen Ensemblemitgliedern oder als Solokünstler. Im „Osten“ dagegen wurden die Puppentheater sehr früh in das staatliche Subventionssystem eingebunden und traten als Sparte der Stadt- und Staatstheater auf. Hier dominierte die eher arbeitsteilige künstlerische Ensemble-Produktion.

Als das dfp den Betrieb aufnahm waren die Trennungslinien zwischen den Puppentheatern aus „Ost“ und „West“ noch deutlich markiert, die Neugier aufeinander aber größer als das Misstrauen. Die Bestellung der Ostberliner Theaterwissenschaftlerin und Kritikerin Silvia Brendenal als erste Direktorin des (weit im Westen gelegenen) dfp kann man in dieser Situation als Signal in zwei Richtungen verstehen: dieses Institut sollte Integrations- und Innovationskraft für die deutsche Szene und einen offenen Blick nach Außen entwickeln.

Aber nicht nur die Puppenspieler und deren Organisationen brachten ihr Interesse an einer umfassenden Förderung des Puppentheaters in das Konzept des dfp ein, auch die Stadt Bochum war stark beteiligt. Das Festival „Figurentheater der Nationen“ hatte sich unter dem Kürzel FIDENA im Laufe der Jahre international einen Namen gemacht und zog jährlich Fachpublikum und Puppenspiel-Enthusiasten nach Bochum. Die Weiterführung dieses Festivals wie auch des Wettbewerbs um den „Fritz-Wortelmann-Preis der Stadt Bochum für das Amateurfigurentheater“ sicherte die Stadt mit ihrer Beteiligung an der Gründung und finanziellen Förderung des dfp. Zu den wichtigsten Geldgebern des dfp gehörte von Anfang an auch das Bundesland Nordrhein-Westfalen.

 

Unser Leitbild

Das Leitbild formuliert unser Selbstverständnis, unsere Werte und Ziele. Es bietet Orientierung für das Arbeiten miteinander und das Wirken nach außen. Es ist Wegweiser für die Entwicklung unserer Institution. Das Leitbild wird im Arbeitsalltag reflektiert und regelmäßig aktualisiert.

Ausgangspunkt der Arbeit unseres gemeinnützigen Vereins ist der lebenslange Einsatz unseres Institutsgründers Fritz Wortelmann für das Puppen-, Figuren- und Objekttheater:       

  • für die Aufwertung, den Erhalt und die Weiterentwicklung des Puppentheaters als eigenständige Kunstform
  • für die Sichtbarmachung und Vernetzung der Szene deutschlandweit und international
  • für Lehre, Dokumentation und Forschung in Bezug auf unterschiedlichste Formen des Figurentheaters

Wir wirken lokal, national und international. Traditionell sind wir in Bochum, Nordrhein-Westfalen, beheimatet. Wir sind Teil der städtischen Kulturszene. Die lokale und regionale Zusammenarbeit ist uns sehr wichtig.  Als Netzwerk, Plattform, Knotenpunkt und Förderer der deutschen Figuren- und Puppentheater-Szene haben wir nationale Bedeutung. Wir agieren selbstverständlich international – durch die Anregung künstlerischen und wissenschaftlichen Austauschs, durch Förderung und Realisierung internationaler Kooperationen.

Unsere Arbeit dient allen Künstler*innen und Aktiven der Szene, ihrem Publikum, allen Interessierten, Studierenden, Lehrenden, Wissenschaftler*innen. Wir suchen in ihrem Interesse den Dialog mit Politik, Presse, Verbänden, Wirtschaft und Entscheidungsträger*innen.

Wir sind bestrebt, die gesamte Bandbreite und aktuelle Tendenzen der Szene über unsere Online- und Printpublikationen sowie unsere Projekte sichtbar zu machen. Unter den Begriff „Figurentheater“ oder „Puppenspielkunst“ fallen für uns neben dem klassischen Puppentheater auch Performances und Installationen mit Puppen oder Masken, das Theater der Dinge (Objekt- und Materialtheater), visuelles Theater, Schattentheater, Trickfilm und die Auseinandersetzung mit Körperbildern oder Avataren in den digitalen Künsten.

Wir arbeiten professionell und engagiert im Interesse der Kunst und ihrer Weiterentwicklung und legen darum Wert auf höchste Qualität und die Förderung junger Talente.

Wir pflegen eine offene, transparente Kommunikation auf Augenhöhe sowohl nach innen als auch nach außen. Unsere Zusammenarbeit ist durch flache Hierarchien geprägt.

Die Art unserer Kommunikation ist die Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wir hören einander zu und lernen voneinander. Wir achten auf einen respektvollen Umgang miteinander und die Wertschätzung jedes/r Einzelnen in seiner/ihrer individuellen Unterschiedlichkeit. Klare Aufgabenverteilung und regelmäßiger Austausch untereinander schaffen die Voraussetzung, uns über die eigenen Zuständigkeiten hinaus gegenseitig zu unterstützen und an einem Strang zu ziehen.

Alle Mitarbeiter*innen werden kontinuierlich gefördert und bekommen die Möglichkeit, sich weiterzubilden.

Wir begrüßen Diversität in unserem Team und im städtischen Kulturleben und stellen uns gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung. Wir engagieren uns aktiv in entsprechenden Initiativen von Kulturschaffenden und nehmen an Weiterbildungen und Workshops zur diskriminierungskritischen Beratung teil.