Größte Opernfestspiele für die kleinsten Bühnen in Mering

01. September 2016

Vom 7. bis 9. Oktober finden die ersten Opernfestspiele für Papiertheaterbühnen statt.

Mit ihrem Festivalprogramm begeben sich die Veranstalter in Mering auf eine weite Reise: Zur Eröffnung der Opernfestspiele am Freitag Abend geht es erst mal ins benachbarte Wien, wenn um 18 Uhr der renommierte dänische Papiertheater-Spieler Per Brink Abrahamsen mit seinem Papirteatret Meklenborg die Oper „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss aufführt. Abrahamsen war lange Jahre Dramaturg am Theater Svalegangen in Aarhus. Für das dort beheimatete Papiertheater Svalegangen Dukketeater hat er mehr als 50 Stücke inszeniert, die über 1000 Mal aufgeführt wurden.

In Dänemark ist Papiertheater auch von royalem Interesse, denn Königin Margrethe höchstpersönlich hat eine große Leidenschaft für diese Theaterform. Sie ist nicht nur ein gern gesehener Gast bei Aufführungen von Per Brink Abrahamsen, sondern hat auch selbst Dekorationen und Figuren für einige seiner Stücke, so zum Beispiel „Die Geschichte des Schiffsjungen“ nach Tania Blixen, entworfen. Ein Beitrag zum Shakespeare-Jahr darf natürlich auf keinem Theaterfestival fehlen. So spielt das Team des ortsansässigen Multum in Parvo Opernhaus am Samstag Verdis „Macbeth“ und setzt die Opernreise damit ins raue Schottland des 11. Jahrhunderts fort. Am Nachmittag entführt das Königsteiner Ensemble „Theatrum Papyrus“ das Publikum dann mit seiner „Madame Butterfly“ ins ferne Nagasaki, wo sich alles um die tragische Liebesgeschichte zwischen dem amerikanischen Leutnant Pinkerton und der japanischen Geisha Cio-Cio-San, genannt „Butterfly“ rankt.

Wieder in westlichen Gefilden, genauer gesagt im holländischen Saardam, ist die Lortzing-Oper „Zar und Zimmermann“ angesiedelt, wo sich das Nürnberger „Theater am Ring“ in seiner Inszenierung mit der spannenden Frage beschäftigt, welcher der beiden Werftarbeiter mit Namen Peter denn nun der russische Zar und welcher der russische Desserteur sei. Am Abend gibt’s dann mit „Frau Luna“ und „Orpheus in der Unterwelt“ eine Operetten-Gala. Fast jeder kennt das Lied „Das ist die Berliner Luft“ und ist versucht, es gleich mit zu schmettern, doch dass dieses Operetten-Lied aus „Frau Luna“ stammt, wissen schon weniger. Von Berlin aus startet schließlich auch die Festivalreise auf den Mond. Selbstverständlich ist der Essener Papiertheater-Spieler Hans-Günter Papirnik für den Flug ins All bestens gewappnet und hält in seinem Gepäck einen eigens angefertigten Heißluftballon aus Papier bereit.

Der nächste Halt des Festivalzuges könnte nicht weiter entfernt sein, denn vom Mond geht’s mit „Orpheus“ direkt in die Unterwelt. Papiertheater-Spieler Robert Jährig aus Heringsdorf wartet bei dieser Aufführung dann auch noch mit einer besonderen Rarität auf: die Musik wird vom Grammophon zum Theaterspiel live eingespielt. Während am Sonntag-Morgen dann „Zar und Zimmermann“, „Der Rosenkavalier“ und das Operetten-Doppel ein weiteres Mal aufgeführt werden, gibt’s zur selben Zeit mit Donizettis „Favoritin“ noch einmal ein Papiertheater-Schmuckstück der besonderen Art. Die Inszenierung stammt abermals vom ambitionierten Newcomer in der Papiertheater-Welt „Theatrum Papyrus“, das sich ganz und gar dem Thema „Oper“ verschrieben hat.

Waren die Besucher am Abend zuvor noch bei Plutos Höllenfest geladen, geht die Reise jetzt ins Kloster nach Santiago de Compostela und an den Palast König Alfons XI. von Kastilien. „Vorhang auf“ heißt es am Nachmittag für die Mozart-Oper „Die Zauberflöte“, die das Team vom Multum in Parvo Opernhaus gemeinsam mit dem Königsbrunner Kammerorchester live auf die Bühne bringen wird. Die Inszenierung stammt von Benno Mitschka, dem künstlerischen Leiter der Miniaturoper, das musikalische Arrangement aus der Feder von Dr. Christoph Teichner, dem Leiter des Königsbrunner Kammerorchesters. Um die fehlenden Sänger bei dieser Oper der besonderen Art zu ersetzen, wird ein Papageno aus Papier das Publikum heiter und beschwingt durch das Mozartwerk führen.

Damit sich die Gäste auf dem Festival rundum wohl fühlen, werden diese nicht nur musikalisch auf eine Reise um die Welt entführt, sondern dürfen sich im Anschluss an die jeweilige Oper auf kulinarische Schmankerl von nah und fern freuen. Fritz Steppkes Traum vom Fliegen in „Frau Luna“ wurde wahr, denn seine Verlobte Marie verschaffte ihm eine Stelle beim Luftschiff Graf Zeppelin. „Dies brachte uns auf die Idee, beim Festival Gerichte nach Rezepten aus der Graf Zeppelin zu servieren. In den 20er-Jahren durften die beiden Operetten „Frau Luna“ und „Orpheus in der Unterwelt“ auf keinem Spielplan fehlen. Da war der Weg nicht weit für uns, auch gleich noch den Orient-Express, das andere Gefährt für Weltenbummler der damaligen Zeit, mit einzubeziehen und dort zubereitete Speisen ebenfalls auf unsere Festival-Speisekarte zu setzen“, so der Vorsitzende des Vereins OPERA IN STELLIS e.V. Benno Mitschka.

Auch die Ausstattung der Aufführungs-Räume wird der gelernte Filmausstatter im passenden Ambiente gestalten. Ein weiteres Highlight wird das Festival am Sonntag Abend beschließen, wenn die ukrainische Theatergruppe “Imagination Format Studio” aus Kiew ihr Stück "Na russaltschyn welykden" zeigen wird. Die Aufführung bringt Auszüge aus der gleichnamigen Oper von Mykola Leontowych,gepaart mit Reminiszenen an sein Gesamtwerk. Die Kiewer wollen mit diesem Stück dem tragischen Schicksal des Komponisten und dessen Bedeutung für die ukrainische Kultur gedenken. Leontowych wurde 1921im Alter von 43 Jahren von einem Agenten des Geheimdienstes Tscheka erschossen. Die ukrainischen Akteure sind nicht nur als Papiertheater-Spieler aktiv, sondern stellen auch ihre eigenen Miniaturtheater her. Sechs Theater aus der eigenen Manufaktur in Kiew werden auf dem Meringer Opernfestival erstmals in Deutschland zu sehen sein.

 

Foto: Giuseppe Verdi, Macbeth, Erster Akt, erste Szene. Credit: Benno Mitschka

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