Vorgestellt: Das Figurentheater Pforzheim

17. Juni 2020

Theaterleiter Raphael Mürle über sein Haus, die aktuelle Situation und Zukunftsperspektiven

Das seit 1987 bestehende Figurentheater Pforzheim hat es sich zur Aufgabe gemacht, ungewöhnliche Themen für das Figurentheater zu bearbeiten. Literarische und musikalische Stoffe abseits des gewohnten theatralen Repertoires und eine ausgeprägte Bildsprache sind Schwerpunkte in der Theaterarbeit des Leiters Raphael Mürle.

 

Raphael, wie bist Du zum Figurentheater gekommen?

Mein Vater war Grafikdesigner und hatte das Marionettenspiel und das Figurenbauen als Hobby. So bin ich sehr früh mit dem Marionettenspiel in Berührung gekommen. Im Alter von 18 Jahren habe ich dann mit dem Aufbau eines Marionettenprogramms begonnen und später dann, von 1983 bis 1987, das Figurentheaterstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart absolviert.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist der Theaterbetrieb immer noch stark eingeschränkt. Wie überbrückst Du die Situation und was sind Deine Pläne für danach?

Das war schon ein Schock und hinterlässt immer noch ein merkwürdiges Gefühl, wenn ich jetzt unseren Theaterraum betrete und weiß, dass wir für Monate nicht zu einer „normalen“ Aufführungssituation zurückfinden werden. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich auf lange Sicht ein normales „Danach“ geben wird. Der Virus wird nicht verschwinden, die Gefahr wird allenfalls gemindert sein. Wie gehen wir als Theater damit um? Aufführungsformate für Kleingruppen kreieren? Open Air-Veranstaltungen forcieren? Solche Gedanken kommen auf, wenn ich an die nähere Zukunft denke.

Hast Du ein aktuelles Projekt, an dem Du zurzeit arbeitest? Und wenn ja, was macht es für Dich aus?

Ich habe den großen Vorteil, dass ich in meiner langfristigen Planung für dieses Jahr ein neues Abendstück vorgesehen habe und jetzt richtig schön Zeit habe, daran zu arbeiten. Die Finanzierung steht, sodass ich in dieser schwierigen Zeit trotz aller Widrigkeiten nicht „arbeitslos“ bin. Es wird ein Stück über den Autor Miguel de Cervantes. Sein unstetes Leben ist alles andere als typisch für einen Schriftsteller. Seine Lebensstationen lesen sich selbst wie Kapitel eines großen Abenteuerromans… und dabei fragt man sich: Wie konnte er bei all seinen Schicksalsschlägen diesen visionären, lebensbejahenden „Don Quijote“ erschaffen?

Hast Du eine Lieblingsfigur?

Wenn ich eine Figur eines anderen Theaters nennen darf, dann fällt mir sofort der „Clown Gustaf“ von Prof. Albrecht Roser ein. Diese Figur, wie auch manch andere Marionette aus seinem Ensemble, haben mich sehr geprägt. Aus meinem eigenen Repertoire von jetzt bald 19 Abendinszenierungen aus über 33 Jahren kann ich keine einzelne Lieblingsfigur herausgreifen.

Frage vom Theater Kuckucksheim aus Heppstädt: Was ist Dein Antrieb, den Menschen Theater mit Figuren und Puppen zu zeigen?

Ich glaube, die Figur spricht den Zuschauer auf einer anderen Ebene an, als der Schauspieler. Die Wirkung von Figuren kann sich tiefer im (Unter-)Bewußtsein des Zuschauers festsetzen. Dem Publikum eine andere Bilderwelt und eine umfassendere Weltsicht zu präsentieren, macht für mich den Reiz des Figurentheaters aus.

Wie lautet Deine Frage an das Theater mini-art, das wir als nächstes vorstellen werden?

Ihr habt ja einige Stücke im Repertoire, die sich mit dem Thema „Tod“ auseinandersetzen. Ich könnte mir vorstellen, dass Kinder dazu einen ganz eigenen Zugang finden, aber welche Reaktionen bekommt Ihr von Erwachsenen?

 

Vielen Dank an Raphael Mürle aus Pforzheim.

 

 

Foto: Reinhardt Fotografie

 

 

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