Forscherinnen durchpflügen Figurentheater-Archiv

04. Oktober 2016

Das Deutsche Forum für Figurentheater begrüßt wieder Researcher in Residence.

Gleich zwei Wissenschaftlerinnen sind derzeit zu Gast im Deutschen Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst in Bochum und nutzen das Programm „Researcher in Residence“. Sie forschen zum Phänomen des belebten Objekts auf der Bühne und zum politischen Figurentheater und genießen die Vorteile des deutschlandweit einzigartigen Archivs.

Mónika Goda forscht im Forum für ihr Doktoratsstudium in Ästhetik an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest. Ihr Thema ist die Paradoxie des Phänomens Puppenspiel – also die Tatsache, dass mit der Puppe auf der Bühne ein eigentlich unbelebtes Objekt als lebendiges Wesen erfahrbar wird. „Ontologisch kann man die Puppe als ein Zwischenwesen interpretieren“, sagt die 28-jährige Wissenschaftlerin, die sich in ihrer Arbeit auch mit philosophischen Fragen auseinandersetzen will.

Das erste Mal mit avanciertem Puppentheater in Berührung kam sie durch die Aufführung „Table“ des englischen Blind Summit Theatres in Budapest. „In Ungarn gibt es den Begriff ‚Figurentheater‘ nicht“, sagt Mónika Goda, „es wird nur als Puppenspiel für Kinder oder als nicht wirklich ernst zu nehmende Volkskunst angesehen.“ Als sie bei ihrer Recherche auf die Internetseite des deutschen Forums für Figurentheater, www.fidena.de, stieß, bewarb sie sich gleich für das Residenz-Programm: „Hier gibt es alles, was ich brauche.“

Die zweite Forscherin, die das Bochumer Archiv derzeit nutzt, ist Dorothee Wichmann. Sie studiert in Leipzig Kunstpädagogik im außerschulischen Bereich und bereitet eine Masterarbeit zum politischen Figurentheater vor. „Ich stehe noch ganz am Anfang und will herausfinden, welche verschiedenen Formen es gab und gibt.“ Ein Schwerpunkt soll auf zeitgenössischen Tendenzen liegen.

Dorothee Wichmann hat als Kulturreferentin der Stadt Vechta selbst Theatervorstellungen organisiert und entdeckte das Figurentheater durch Walter Moers Buch „Rumo“: „Darin gibt es ein ganzes Kapitel zum Thema.“ Nach einem Praktikum bei der Berliner Puppenbauerin Judith Mähler, die unter anderem an René Mariks Maulwurf beteiligt war, war für die Studentin klar, dass sie sich weiter mit der Kunstform beschäftigen wollte. Über das Magazin „double“ stieß sie schließlich auf das Residenz-Programm in Bochum.

Dass das Deutsche Forum für Figurentheater nicht nur das internationale Festival FIDENA und den Fritz-Wortelmann-Preis ausrichtet, sondern auch ein Dokumentationszentrum mit über 4000 Büchern, 1500 Stück-Texten, einer großen Sammlung von Aufführungs-Videos und deutscher und internationaler Figurentheater-Zeitschriften beherbergt, hat sich mittlerweile offenbar herumgesprochen.

 

Foto: Max Kühlem

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