Eine Satire, eine Tragödie und ein Klassiker im Juli

13. Juni 2016

Der Lindenfels Westflügel zeigt "Putin is Skiing", "Bernarda Albas Haus" und "Spleen".

Am 1. und 2. Juli zeigt der Westflügel "Putin is Skiing" (Foto), eine scharfe Satire von Divadlo Líšeň aus Brno (CZ). Stefanie Oberhoff erarbeitet mit Lehmann und Wenzel und J. Klinkenberg in schwindelerregend wenig Zeit (3 Tagen) eine abenteuerliche Tragödie in 3 Akten: "Bernarda Albas Haus", die Session #2, die erst- und einmalig am 14. Juli aufgeführt wird. Wilde & Vogel erfreuen das Westflügelpublikum am 15.&16. Juli mit ihrem dunkel-poetischen Klassiker "Spleen. Charles Baudelaire: Gedichte und Prosa".

 

Putin is Skiing
Fr 01. Juli, 21 Uhr
Sa 02. Juli, 21 Uhr

Divadlo Líšeň [Brno / CZ] _ Spiel: Luděk Vémola and Tomáš Machek _ Figuren: Marika Bumbálková _ Kostüme und Requisiten: Matěj Sýkora, Lenka Jabůrková _ Musik: Tomáš Vtípil _ Szenographie: Luděk Vémola, Marika Bumbálková _ Regie: Pavla Dombrovská

Scharf satirisch erzählt "Putin is skiing" von der gegenwärtigen politischen Situation im 'Land von Dostojewski und Tolstoi'. Basierend auf den Tagebuchaufzeichnungen der ermordeten Reporterin und Aktivistin Anna Politkowskaja und Fragmenten öffentlicher Stellungnahmen des russischen Präsidenten entfaltet sich auf dem Schreibtisch inmitten des riesigen Militärzeltes eine machtbesessene Matrjoschka-Gesellschaft. Und alle sind sie da: Lenin, Stalin und Putin sitzen im Panzer, nehmen ein Bad, befahren Skipisten, schaufeln Gräber, erscheinen auf Engelsflügeln und prosten sich mit Wodka zu. Jetzt fehlt nur noch das passende Geschenk von Großväterchen Frost ...

Von Lachen zu schwerer Stille, vom frechen Pamphlet zum Tribut für die Toten begleiten die tschechischen Spieler ihr Publikum und fragen in unverfroren kabarettistischer Manier nach dem Wert des menschlichen Lebens.

Das Divadlo Líšeň ist eine freie professionelle Theatergruppe, die seit 1998 in einem Landhaus bei Brno (Brünn) lebt und arbeitet. Sie produziert grenzüberschreitend in den Bereichen Bewegungs-, Musik- und Puppentheater und behandelt in ihrem Repertoire gesellschaftspolitische Brennpunkte unserer Zeit. Das Líšeň setzt alte und traditionelle Theatertechniken und Formen ein, inspiriert von Volkstheater oder orientalischer Bühnenpraxis, und untersucht neue und ungewöhnliche Wege des Erzählens mit aktuellem Zeitbezug.

 

Session #2: Bernarda Albas Haus
Eine Tragödie in 3 Akten
Do 14. Juli 21 Uhr

In der zweiten Ausgabe der Session-Reihe treffen sich Samira Lehmann, Stefanie Oberhoff und Stefan Wenzel unter Beobachtung von Jonas Klinkenberg. Eine Konstellation, die schon lange auf einen Anlass wartet, miteinander arbeiten zu dürfen, hat im Format der Session endlich einen zwanglosen Vorwand für ihr erstes Projekt gefunden. Inspirationen liefert Federico García Lorca und das Haus seiner Bernarda. Die Session zeigt die weltberühmte Tragödie auf engem Raum mit ungewöhnlichen Akteuren. Dieser Abend ist Körpern, Lorca und Therapie gewidmet. Oft erreicht und nie kopiert. Und nach dieser Aufführung auch nie wieder gesehen.

Westflügel-Sessions: Die Auszeichnung mit dem Theaterpreis des Bundes und das damit verbundene Preisgeld ermöglichen es dem Westflügel, eine Reihe kleiner Produktionen exklusiv zu realisieren: drei Tage wird geprobt, dann wird gezeigt. Die Premiere ist zugleich die Dernière, die Spieler sind aller Beweislast gegenüber Kritik, Fachleuten und Veranstaltern enthoben. Im Gegensatz zu Premieren "großer" Produktionen, die mit einem Vorlauf von ein bis zwei Jahren angegangen werden und tourneefähig sein müssen, zählt hier nur die spontane Kreativität des einen Abends. Dem Sie als Publikum mit Neugierde und Interesse zum Erfolg verhelfen können.

 

Spleen. Charles Baudelaire: Gedichte in Prosa
Fr 15. Juli, 21 Uhr
Sa 16. Juli, 21 Uhr

Figurentheater Wilde & Vogel in Koproduktion mit dem FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart und dem Lindenfels Westflügel Leipzig _ Spiel und Ausstattung: Michael Vogel _ Live-Musik: Charlotte Wilde _ Stimmen: Jördis Barth, Julka Finger, Luana Goller, Lotta Hillert, Merlin Lando Dweezil Ben Müller, Luis Neuschäfer, Vincent Sudau _ Aufnahmeleitung: Patrick Kukwa _ Regie: Hendrik Mannes

Basis der Inszenierung ist Charles Baudelaires Spätwerk, seine Gedichte in Prosa "Der Spleen von Paris". Dichte Miniaturen, oft zu wenigen Zeilen komprimierte Szenen oder scheinbar flüchtig hingeworfene Gedankengänge beschwören die Epoche des „Untergangs der romantischen Sonne“. In ihnen widerspiegeln sich Splitter gescheiterter Utopien angesichts politischer Restauration im vorvorigen Jahrhundert: ein erstaunlich zeitgemäßes Panoptikum.

Die offene Spielweise dieser Inszenierung - die der Spieler mit Figuren und Musikinstrumenten auf der Bühne, sowie mit dem Textmaterial, eingesprochen von Kindern und Jugendlichen - zielt auf eine kaleidoskopische Betrachtung des Zuschauers. Eine eigene Magie entsteht in der Imagination zwischen Akteuren, Material und Publikum, eine Folge von Bildern, die den Blick Baudelaires kontrapunktiert und sucht, ihn für eine Wahrnehmung von heute zu öffnen.

In ihren Bewegungen verkörpern die Puppen zwar die verführerisch-gewaltsame Theatralität der Gedichte, nie aber illustrieren sie die Texte durch ihr Spiel. Die erstaunlichsten Momente entstehen, wenn eine der stummen Figuren plötzlich still steht und nur den Stimmen der Kinder zu lauschen scheint, die Worte nur halb verstehend. Auf mysteriösen Wegen finden die Puppen in die Gedichte hinein und werden dort heimisch. Wo aber die Seele der Puppe oder des Spielers sich wirklich befindet, kann man nie mit Sicherheit wissen. (The Berlin Journal)      

Hendrik Mannes inszenierte im Juni 2016 "Der Schaum der Tage" im Westflügel. 

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