Harte Kritik am TV-Format "Puppenstars"

25. Februar 2016

Olaf Bernstengels offener Brief an Annette Dabs - und ihre Reaktion darauf.

Offener Brief an Annette Dabs, Leiterin des Deutschen Forms für Figurentheater und Puppenspielkunst, Vize-Präsidentin der UNIMA und Leiterin der FIDENA

Dresden, den 24. Februar 2016

Liebe Annette Dabs,
können Sie eigentlich noch ruhig auf Ihrem Chefsessel als Vizepräsidentin der UNIMA, als Leiterin des dfp und als Chefin der FIDENA sitzen nach diesem Schlag, den das RTL gegen das Puppentheater geschleudert hat. Ich lobe mir das alte, aber inhaltsreiche Kaspertheater an Stelle des unsäglichen Klappmaulgezappels, des Verwursteln von Talent und Dressur, des aufgeblasenen Spiels in großer Pomp Kulisse vor einer inkompetenten, unsachlichen Jury, die über die Worte “poetisch“, „hübsch“, „zu wenig Puppe“ nicht hinauskam und dazu noch von einer zotigen Kakerlake attackiert wurde. Schönen Gruß an das Dschungelcamp! Nein, diese Sendung diskreditierte das Puppentheatergeschehen, seine Entwicklung in den letzten 5o Jahren auf das Gröbste. Wie kann ein Teilnehmer oder war es nicht sogar ein Jurymitglied (?) sagen: „Es kann jeder Puppenspieler sein, außer, es wurden seine Arme amputiert.“ Ja, Herrgott warum haben wir eine Hochschulausbildung? Das Publikum klatscht und jubelt auch so. Warum entdecken wir immer neue Stoffe für das Puppentheater, haben Ensembletheater, die ein Publikum mit wenigstens 30 x 3 Minuten unterhalten können? Wie können Sie für einen drei Minuten Wettbewerb einer darstellenden Kunst plädieren, der  für andere darstellende Künste mit Recht unmöglich ist? In dem Sie diese Form des Wettbewerbs im Interview vom 6.9.15 mit Bodo Schulte befürworten, stoßen Sie unsere Arbeit mehrheitlich auf billige Unterhaltung zurück. Konnten Sie wirklich nicht ahnen, was gerade im RTL passiert?

Mit Ihrer Unterstützung und Ihren großen Hoffnungen, der RTL werde die Bandbreite eines künstlerischen Puppenspiels unter dem Schirm von Entertainment zeigen, haben Sie der Puppenspielkunst wahrlich einen Bärendienst erwiesen!

Die Presse hat das „Ereignis“ nach meinen Kenntnissen glücklicherweise totgeschwiegen. Mit Recht. Aber wir Puppenspieler können das nicht, denn es missachtet unsere Arbeit, treibt uns die Schamröte ins Gesicht!

Dennoch kritisiere ich nicht RTL und oder die inkompetente Jury, die drei Namen habe ich schon wieder vergessen, sondern kritisiere Ihre Haltung als eine Wortführerin des nationalen und internationalen Puppenspiels!

Mit freundlichen Grüßen!
Dr. Olaf Bernstengel
Theaterwissenschaftler und Marionettenspieler

 

Antwort von Annette Dabs, Leiterin des Deutschen Forums für Figurentheater und Puppenspielkunst in Bochum

Lieber Herr Dr. Bernstengel,
ruhig sitze ich eigentlich eher selten. Aber ich kann Ihre Empörung ja nachvollziehen und gebe Ihnen mit dem, was Sie aufregt, recht. Allerdings habe ich die Gründe für meinen Versuch, bei der Konzipierung und Umsetzung des neuen Formats das Schlimmste zu verhindern und die kleine Chance zu nutzen, dass wenigstens einige gute Puppenspieler unsere Zunft dort vertreten können, bereits im Vorhinein und auch danach immer wieder erklärt. Dass das Casting und die Sendung sowieso stattgefunden hätten, war abzusehen. Ich hatte in der Tat die Hoffnung, dass die Produktionsfirma, die auch das Format "Sing meinen Song" verantwortet (das ich gern gesehen habe), etwas wesentlich Qualitätvolleres zustande bringt. Wir haben das Ergebnis, also die ausgestrahlten Sendungen, auf unserer Facebookseite zur Diskussion gestellt und ich habe meine (ebenfalls äußerst negative) Meinung zu den Sendungen in meinem Profil und in Kommentaren bereits geäußert. Die Diskussion im Facebook fand rege statt, hat sich dann aber genauso schnell totgelaufen wie das Format selbst. Zum Glück. Daher wollte ich sie auch nicht mehr aufleben lassen.

Mit freundlichen Grüßen
Annette Dabs

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