Theater o.N. (Zinnober)

Theater o.N. (Zinnober) wurde 1979 von den Puppenspielern Hans Krüger und Therese Thomaschke in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gegründet und konstituierte sich 1980 als Gruppe freier Puppen- und Schauspieler unter der Bezeichnung „Theater Zinnober“ in Ost-Berlin. Damit entstand das erste Off-Theater der DDR. Mit „Die Jäger des verlorenen Verstandes“ (1982) kreierte Zinnober ein Handpuppen-Kasperstück als aggressiv-satirische und verzweifelt-komische Bestandsaufnahme der Gegenwart; bemerkenswert das Aufbrechen des Formenkanons des DDR-Puppentheaters durch eine Blechbühne, unterschiedlich große Figuren (von Christian Werdin) und die listig-groteske Neubewertung spielerischer und gesellschaftlicher Klischees. 1985 entstand „traumhaft“, ein autobiographisch inspiriertes Schauspiel. Zinnober erhielt Preise für das Kasperstück und die Kinderstücke „Einszweidreivierfünfsechssieben“ (Menschen und Puppen) und „Die Bremer Stadtmusikanten“ (Schattentheater). Es gab aber auch Aufführungsverbote, u.a. für „Station Pillgram 218“ (Solo Gabriele Hänel). 1989 wurde unter dem neuen Namen Theater o.N. (Zinnober) eine eigene Spielstätte in Berlin eröffnet. 
Seitdem arbeitet das Ensemble mit alten und neuen Mitgliedern als Puppen- und Schauspieltheater für Erwachsene und Kinder. Das Spektrum reicht von der Bearbeitung klassischer Stoffe über die Adaption von Märchen bis zum improvisatorischen Erarbeiten neuer Stücke.

Hartmut Mechtel  (2004)

Bibliographie: Dieter Kraft, “traumhaft”, Aufbau-Verlag, 1991