Siegel, Harro

Harro Siegel (1900 Kassel – 1985 Göttingen) gründete 1928 sein Marionettentheater, orientierte sich in der Repertoiregestaltung an den von der jungen deutschen Musikbewegung ausgehenden Impulsen und begleitete die Tourneen deutscher und englischer Sing- und Tanzgruppen nach Großbritannien und Dänemark. Kennzeichnend für Siegels Arbeit war die Tatsache, dass er sich stets in einem Umfeld ansiedelte, das ihm künstlerische Betätigung gewährte, ohne vom Risiko einer privatwirtschaftlichen Absicherung behindert zu werden. Auf diesem Hintergrund wird verständlich, dass er sich 1938 als künstlerischer Leiter an das →Reichsinstitut für Puppenspiel in Berlin verpflichten ließ. Diese Tätigkeit hat er später bedauert, seine künstlerische Produktion und seine abhängige Stellung innerhalb der nationalsozialistischen Bürokratie jedoch zwiespältig verklärt.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges leitete Siegel die Werkkunstschule in Braunschweig, an der Marionetteninszenierungen unter Beteiligung von Schülern (u.a. Michael Meschke) entstanden. Zudem gründete er dort das Festival „Woche europäischen Puppenspiels“, dessen erste Auflage 1957 sich den neuesten puppenspielerischen Entwicklungen im west- und osteuropäischen Raum widmete und in dessen Folge mehr als vier Jahrzehnte lang regelmäßig eine internationale Puppentheaterwoche in Braunschweig ausgerichtet wurde.

Manfred Wegner

Bibliographie: Mersmann, H.: Harro Siegels Marionetten. Frankfurt am Main 1982

Bildnachweis: Harro Siegel: Marionetten zu "Doppelkopf", 1961 © Sammlung Puppentheater / Schaustellerei des Münchner Stadtmuseums