Marionettenstudio Kleines Spiel

Das 1947 von Studenten der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität gegründete Amateurtheater widmete sich in seiner ersten Entwicklungsphase bis 1967der Aufführung klassischer und moderner Bühnenliteratur (Molière, Büchner, Wilde, Beckett, Brecht). 1952 wurde mit der Inszenierung von Goldonis „Der Lügner“ ein stilistischer Wechsel vom imitativen Marionettenstil zur Figuren- und Bühnenbildabstraktion vollzogen. Auf dieser Basis entwickelte der angehende Dramatiker Tankred Dorst bis 1964 in acht eigens für das Kleine Spiel geschriebenen Stücken ein „Theater der Bilder ohne Psychologie, ein Theater der Poesie und des Traums“ (Dorst). In neuerer Zeit ist neben der Wiederaufnahme älterer Repertoirestücke ein Trend zur Produktion musikalisch-satirischer Bühnenshows und Nummernprogramme festzustellen.

Manfred Wegner
Literatur: Dorst, Tankred: Geheimnis der Marionette, München 1957. Ders.: Auf kleiner Bühne. Versuche mit Marionetten, München 1959

Bildnachweis: Marionettenstudio „Kleines Spiel“: Marionetten zu "Tritsch-Tratsch" (nach Johann Nestroy), München 1958  © Sammlung Puppentheater / Schaustellerei des Münchner Stadtmuseums