Puppentheater Neubrandenburg

Gegründet 1976 als 13. staatlich subventioniertes Puppentheater der DDR (in einer Stadt ohne Puppentheatertradition) von Gisela Templin, Gabriele Hähnel, Werner Hennrich, Thomas Mierau und Peter Waschinsky. Die Eröffnung des Theaters im Oktober 1977 mit je einer Inszenierung für Kinder und einer für Erwachsene verdeutlichte eine programmatische Entscheidung: Das Puppentheater Neubrandenburg war das erste Puppentheater der DDR, das nicht nur als Kindertheater fungierte, sondern auch kontinuierlich Inszenierungen für Erwachsene im Repertoire hatte. Darunter künstlerisch so herausragende, auf zahlreichen internationalen Festivals gezeigte, die die Puppentheaterentwicklung der DDR wesentlich beeinflussenden wie „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ von Bertolt Brecht (Regie Peter Waschinsky), „Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande“ von Heiner Müller (Regie Monika Seerig/Bert Koß) sowie die 1987 in kollektiver Regie (Marlis Hirche, Gerlinde Tschersich, Monika Seerig, Knut Hirche, Bert Koß) entstandene puppentheatralische Adaption von August Strindbergs „Fräulein Julie“.
1994, nach dem Umzug in das rekonstruierte älteste Mecklenburger Theater, unter dem neuen Namen Kammertheater Neubrandenburg, begann eine besonders schöpferische Arbeitsphase dieses künstlerisch innovativen, experimentierfreudigen Theaterensembles, das jenseits starrer Gattungsgrenzen die Ausdrucksmöglichkeiten des Spiels mit dem Material erprobte, den Dialog der Künste herausforderte (wie beispielsweise in den Inszenierungen „Die Wassermannlüge“ oder „Zitrin tanzt“) und immer wieder die Frage nach der Lebendigkeit der Theaterstrukturen stellte. Ungeachtet des hohen künstlerischen und kulturpolitischen Stellenwertes dieses Theaters wurde das Kammertheater Neubrandenburg 2001, im Zuge einer vom Kultusministerium des Landes empfohlenen Fusionierung mit dem Landestheater Neustrelitz und der Philharmonie Neubrandenburg, aus der Theaterlandschaft getilgt.

Silvia Brendenal

Bildnachweis: Fräulein Julie, Foto: Bernd Scholze (Archiv Kammertheater Neubrandenburg)