Fritz Wortelmann-Puppensammlung

Fritz-Wortelmann-Puppensammlung

Der Theaterwissenschaftler Fritz Wortelmann (1902-1976), Mitbegründer des DIP (Deutsches Institut für Puppenspiel) und Gründer des Festivals FIDENA begegnete während seiner langjährigen Arbeit vielen unterschiedlichen Figurenspieler*innen aus dem In- und Ausland. Sie schenkten ihm Figuren aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen oder er erwarb sie auf einer seiner vielen Reisen. So entstand die heutige Fritz-Wortelmann-Sammlung, die wir hier durch eine exemplarische Auswahl von Figuren vorstellen möchten.

 

Fotos: Simon Baucks

Puppen der NS-Propaganda

In der Sammlung des Deutschen Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst e.V. befinden sich die Figuren „Gretel 2“, „Hexe“, „Kasper 2 mit Käppi“, „Spiess Infanterist“, „Mister Lügenmaul Churchill“, „König“ und „Schutzmann“.

Harro Siegel (* 24. Januar 1900, † 6. Dezember 1985) war ein deutscher Marionettenspieler und Dozent. Zu den Marionetten kam der gelernte Buchbinder 1926, als er sein eigenes Marionettentheater gründete und Aufführungen in Deutschland, England, Türkei, Ungarn, und Österreich folgten. Von 1938-1943 war er als Künstlerischer Leiter am Reichinstitut für Puppenspiel tätig und galt als führender Puppenspieler der Nationalsozialisten.

Das Reichsinstitut für Puppenspiel wurde 1938 von mehreren nationalsozialistischen Organisationen mit dem Ziel gegründet, propagandistische Methoden, sowie Stücke und Puppen flächendeckend zu verbreiten und zu kontrollieren.

Er entwarf die Prototypen für massenhaft angefertigte Puppen aus Holz oder Labolit. Die Serie umfasste 29 Handpuppen und sollte vor allem an Laienspieler verkauft werden und die, der Parteilinie treuen, Stücke unterstützen, die ebenfalls herausgegeben wurden. Auch zur Unterhaltung von Soldaten an der Front wurden vermehrt Puppenspiele gezeigt. Siegel entwarf zusammen mit der Hitler-Jugend, zusätzlich zu seiner spielenden Tätigkeit, einen Verlaufsplan für die Ausbildung zum Puppen- bzw. Marionettenspieler.

1957 organisierte er die erste internationale Figurentheaterwoche nach dem Zweiten Weltkrieg in Braunschweig, außerdem leitete er von 1964-1970 die Künstlerstiftung Villa Romana in Florenz. Des Weiteren war Siegel an mehreren Fernsehproduktionen beteiligt, angefangen mit dem Film „Die Geburt der Marionette“ von 1951 und gefolgt von Fernsehauftritten in Hamburg, Bremen, Düsseldorf, London und New York1.

Weiterführende Informationen über Harro Siegel im Online-Lexikon des Deutschen Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst e.V.: https://www.fidena.de/publish/viewfull.cfm?objectid=cbdbabcf_e081_515d_7499bfbe0d6d971a

 

Victoria Wehrmann

 

Quellen:

Gerd Bohlmeier, Reichsinstitut für Puppenspiel, Deutsches Forum für Figurentheater und Puppenspiel e.V., unter: https://www.fidena.de/publish/viewfull.cfm?objectid=cbc5e9be_e081_515d_74c5bc7b99ead952

Harro Siegel, Harro Siegels Marionetten, Frankfurt a. Main-Berlin-Wien 1982.

Johannes Richter, Deutsche Puppenspieler im Dritten Reich – fragmentarische Betrachtungen., Magdeburg 2018.

Manfred Wegener, Siegel, Harro, Deutsches Forum für Figurentheater und Puppenspiel e.V., unter: https://www.fidena.de/publish/viewfull.cfm?objectid=cbdbabcf_e081_515d_7499bfbe0d6d971a (letzter Zugriff: 11.03.2019).

 

1 Vgl. Harro Siegel, Harro Sigels Marionetten, Frankfurt a. Main-Berlin-Wien 1982. S. 26.

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