Fritz Wortelmann-Puppensammlung

Fritz-Wortelmann-Puppensammlung

Der Theaterwissenschaftler Fritz Wortelmann (1902-1976), Mitbegründer des DIP (Deutsches Institut für Puppenspiel) und Gründer des Festivals FIDENA begegnete während seiner langjährigen Arbeit vielen unterschiedlichen Figurenspieler*innen aus dem In- und Ausland. Sie schenkten ihm Figuren aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen oder er erwarb sie auf einer seiner vielen Reisen. So entstand die heutige Fritz-Wortelmann-Sammlung, die wir hier durch eine exemplarische Auswahl von Figuren vorstellen möchten.

 

Fotos: Simon Baucks

Lotte Reiniger

Die Sammlung enthält eine Silhouette aus einem Film der Künstlerin.

Die Pionierin der Filmkunst, Lotte Reiniger schenkte Fritz Wortelmann einen Strauß aus dem Silhouettenfilm „Papageno“ aus dem Jahre 1935 und schrieb auf das Passepartout eine persönliche Widmung für Wortelmann.

Der Film wurde am 11. August 1935 uraufgeführt anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung über das Werk von Lotte Reiniger in dem Berliner Filmkunstkino "Die Kamera". Lotte Reiniger nennt ihre Version von Mozarts „Zauberflöte“ selbst eine „Filmfantasie“. Der Film ist in schwarz/weiß gedreht und hat eine Länge von 11 Minuten. Der Film existiert noch. Darüber hinaus existiert eine Art „Making off“. In dem Dokumentarfilm „Ein Scherenschnittfilm entsteht“ kann man Lotte Reiniger dabei zusehen wie der Film „Papageno“ entsteht. Sie beschreibt ihre Arbeitsschritte in dem Film wie folgt:

„Wenn ich einen Film machen will, dann zeichne ich mir zuerst von der Geschichte, die ich erzählen will, große Bilderbücher. Alles, was mir in der Geschichte optisch interessant vorkommt, zeichne ich auf. So stellt sich allmählich heraus, was für Figuren das sind. Dann fertige ich von jeder dieser eine bewegliche Figur an, das heißt einen Kopf, einen Hals, einen Brustkorb, zwei Oberarme, zwei Unterarme, ein Händchen usw. und schneide sie aus Pappe und Blei aus. Die einzelnen Teile werden mit dünnen Drähten zusammengehalten. Das Charakteristische dieser Filme ist, dass bei ihnen nicht wie bei Zeichentrickfilmen mechanisch Zeichnung für Zeichnung aufgenommen wird, sondern dass die Bewegung direkt vor der Kamera stattfindet. Dann legt man die Figuren auf eine von unten beleuchtete Glasplatte, die Kamera wird über der Glasplatte befestigt und nimmt die Figur auf, indem man vorsichtig Bildchen für Bildchen weiterrückt und jeweils eine Aufnahme macht. 24 Einzelbildchen pro Sekunde Zeitablauf sind dabei das eiserne Gesetz. Wenn man den so erhaltenen Filmstreifen vorführt, sieht es aus, als ob die Figur sich aus eigenem Antrieb bewegen würde.“1

Seta Guetsoyan

Quelle: www.lottereiniger.de

1 Lotte Reiniger. Erfinderin des Silhouettenfilms, Hrsg.: Kinderkino München e.V. 2013

 

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