Deininger, Georg

Georg Deininger (1882 München – 1946 Saulgau) gab um 1922 den Zahnarztberuf auf, um sich seinem zwei Jahre zuvor gegründeten Marionettentheater zu widmen. 1925 eröffnete er das „Stuttgarter Künstler-Marionetten-Theater“. Er verstand sich als konservativer Erneuerer und behandelte die Marionette als scheinbar lebendig agierendes Menschlein, von der auf der Bühne eine vollkommene Illusionswirkung ausgehen müsse. So inszenierte er Komödien sowie Märchen, Sagen und Heimatspiele im Stil einer historisierenden Realistik. Die Inszenierungen waren konzipiert als anschauliche Lektionen zur ‚deutschen Geschichte und Bildung’ und durften keinesfalls als Darbietungen zur reinen Unterhaltung verstanden werden. Deiningers künstlerische und weltanschauliche Überzeugungen korrespondierten mit den Maximen der nationalsozialistischen Kulturpolitik.

Manfred Wegner

Bildnachweis: Georg Deininger mit seiner Marionette, Foto um 1930, Bildvorlage: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Puppentheatersammlung