Neue Spielzeit, neue Leitungen
Die Szene im Osten Deutschlands ist neben freien Gruppen von festen Häusern mit Puppenspielensemble und Stadttheatern mit entsprechenden Sparten geprägt. An drei dieser Theater sind die Führungsebenen neu besetzt.

Mihkel Seeder und Ulrike Leßmann © Klaus Gigga
Am tjg. Theater junge generation Dresden übernehmen Ulrike Leßmann und Mihkel Seeder als Team die Leitung, nachdem Felicitas Loewe nach 17 Jahren Intendanz in den Ruhestand gegangen ist. Leßmann hat bereits viele Jahre als Chefdramaturgin am Haus gearbeitet, Seeder war Chefdramaturg am Kinder- und Jugendtheater VAT Theater in Tallinn. Mit dem Leitsatz „Wir machen das jetzt zusammen“ möchten sie den Fokus auf Teilhabe legen, indem sie das Theater noch stärker als Dritten Ort etablieren wollen und bereits einen Kinder- und Jugendbeirat gegründet haben.

Dr. Petra Szemacha © privat
Die künstlerische Leitung der Puppentheatersparte hat nun Dr. Petra Szemacha, die zuvor am Puppentheater Magdeburg als Chefdramaturgin engagiert war.
Quellen: Theater der Zeit / Sachsen Fernsehen / HMDK

Miriam Tscholl © Tom Schulze
Auch die neue Intendantin des Theater der jungen Welt (TDJW) Leipzig möchte mehr Partizipation ermöglichen. Miriam Tscholl leitete jahrelang die Bürgerbühne am Staatsschauspiel Dresden und will nun eine ähnliche junge Bürgerbühne für Leipzig aufbauen, mit zwei Inszenierungsprojekten mit Bürger:innenbeteiligung sowie zahlreichen Spielklubs. Ihre Vorgängerin Winnie Karnofka, die zunächst als Dramaturgin, dann als Intendantin 12 Jahre am TDJW war, gab ihre Stelle aus familiären Gründen auf.
www.theaterderjungenweltleipzig.de
Quellen: MDR / ahoi Leipzig
Am Puppentheater Zwickau starten Christine Schmidle als Direktorin und Alexej Vancl als Dramaturg unter dem Motto „Zwickau in die Welt bringen. Die Welt nach Zwickau bringen. Und Zwickau blühen lassen." Die Schauspielerin und Regisseurin Schmidle, die als Shakespeare-Expertin gilt und bereits am Londoner Globe Theatre gearbeitet hat, möchte das Haus weiter vernetzten und neue Formate schaffen, aber auch beizubehalten, was unter der vorherigen Leitung von Monika Gerboc geschaffen wurde.
Gerboc hat das Theater nach neun Jahren, gemeinsam mit der Dramaturgin Dominique Suhr, auf eigenen Wunsch verlassen, um „neue Kraft tanken“ zu können (Kritik ihrer Abschiedsinszenierung „Kannst du pfeifen, Johanna“). Das Titelfoto zeigt sie mit Vancl, Suhr und Schmidle (v.l.n.r) bei den Abschiedsfeierlichkeiten.

Kay Kuntze © Ronny Ristok
Der Vertrag von Kay Kuntze, Intendant am Theater Altenburg Gera, wurde dagegen bis 2033 verlängert. Ein Streit um die Personalie war laut Ostthüringer Zeitung im Juni durch den Stadtrat Gera, Mehrheitsgesellschafter des Theaters, ins Rollen gekommen, der Kuntze kündigen wollte, im Gegensatz zum Altenburger Land, dem zweiten Gesellschafter. Eine diesbezügliche Sondersitzung des Stadtrates Altenburg (dem dritten Gesellschafter) im Juli, beantragt von der Bürgerbewegung Pro Altenburg und der AfD, fand nicht statt, da die Fraktionen von CDU, SPD, Stadtforum und Linke geschlossen fehlten, wodurch die Frist für die Kündigung verstrich. In einem Interview mit der Ostthüringer Zeitung im August äußerte Kuntze seine Vermutung, „dass Parteien des rechten politischen Spektrums eine Möglichkeit sahen, das Theater zu destabilisieren. Es war ein Angriff auf das Theater.“ Pro Altenburg wies die Vorwürfe daraufhin zurück. Der Konflikt scheint noch nicht beendet (siehe auch die Kommentare unter dem Bericht auf nachtkritik.de).
Über die Wiedereröffnung des Puppentheaters Gera nach längerer Sanierung berichtet Thilo Sauer in einem Beitrag im MDR.
Quellen: Ostthüringer Zeitung / nachtkritik.de / Tagesschau