Das Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst

Das Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst (dfp) ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bochum. Die Institution wird mit Mitteln der Stadt Bochum, des Landes Nordrhein-Westfalen und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe finanziert. Satzungsziel ist die Förderung der Belange des Puppen-, Figuren- und Objekttheaters in ganz Deutschland. Das dfp fungiert als Anlaufstelle und Informationsbörse und engagiert sich bundesweit für die Puppenspielkunst in all ihren Erscheinungsformen. Dazu gehören neben dem klassischen Puppentheater und Schauspiel mit Figuren, Puppen oder Masken auch das Objekt- und Materialtheater, visuelles Theater, Schattentheater oder Trickfilm. Die Übergänge zu angrenzenden Kunstbereichen wie Performance, Installation, Mulitmedia-Inszenierungen oder Cyberkunst sind dabei oft fließend.

Die meisten Projekte des dfp wie Symposien, Tagungen oder Workshops finden an wechselnden Veranstaltungsorten statt. Die FIDENA – das Figurentheater der Nationen allerdings und der Wettbewerb um den „Fritz-Wortelmann-Preis der Stadt Bochum für das Amateurfigurentheater“ sowie der Kunstpiep-Wettbewerb für Medienkunst sind grundsätzlich an Bochum gebunden. Nur zu wenigen kleinen Veranstaltungen wie zum „Tag der offenen Tür“ oder dem „Blue Monday“ kann das dfp-Team ins eigene Haus einladen. Der denkmalgeschützte Wasserspeicher, der als Domizil zur Verfügung steht, ist ansonsten von seinen Räumlichkeiten her für Theatervorstellungen oder größere Veranstaltungen nicht geeignet. Doch stehen im Haus eine Präsenzbibliothek und eine Mediathek sowie ein Archiv bereit, die nach Absprache zugänglich sind.

Zu den „kommunikativen“ wie auch zu den „praxisunterstützenden“ Aufgaben des dfp gehört die Bearbeitung telefonischer und schriftlicher Anfragen von Künstlern, Studenten, Journalisten, Pädagogen und anderen Interessenten, Literatur- und Bildrecherche und die Vermittlung von Kontakten. Zum Service gehört auch das „Kreativportal für das deutsche Figurentheater“, das neben Porträts und Interviews, wissenschaftlichen Essays, Bibliothekskatalog und Online-Lexikon auch Originalbeiträge von Künstlern präsentiert sowie Adressen und weiterführende Informationen zu Theatern, Museen, Sammlungen, Institutionen und Ausbildungseinrichtungen in Deutschland versammelt.

Außerdem ist das dfp Herausgeber der Fachzeitschrift „double. Magazin für Puppen-Figuren- und Objekttheater“, das in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Theater der Zeit“ eine breite theaterinteressierte Leserschaft erreicht. Die (ehrenamtliche) Redaktion besteht aus erfahrenen Fachleuten, die bereits in den Jahren zuvor für die Zeitschrift „Das andere Theater“ verantwortlich zeichneten. Mit verschiedenen nationalen und internationalen Figurentheater-Zeitschriften steht „double“ im Schriftenaustausch, regelmäßig schreiben auch Autoren anderer Länder für das Magazin.

Die künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Forums, Annette Dabs, wird von drei Mitarbeiterinnen auf Teilzeitbasis bei der Erfüllung dieser Aufgaben unterstützt: Anke Meyer (wissenschaftliche Mitarbeiterin), Hanne Franzen (Verwaltung) und Kerstin Turley (Öffentlichkeitsarbeit, Sekretariat). Für größere Projekte wie das Festival FIDENA kommen Hilfskräfte, Praktikanten oder auch Kooperationspartner dazu.

Aktuelle Mitglieder im Trägerverein: Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Berlin, Abteilung Puppenspielkunst, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, Studiengang Figurentheater, Ruhr-Universität Bochum, Institut für Theaterwissenschaften, Verein zur Förderung des Figurentheater-Kollegs Bochum e.V., Theater Waidspeicher e.V., Erfurt, Kinder- und Jugendtheaterzentrum der BRD, Frankfurt, Puppentheater der Stadt Magdeburg, Theater Junge Generation, Puppentheater Dresden, FITZ e.V., Stuttgart, Die Schaubude. Puppentheater Berlin, Puppentheater der Stadt Halle, Stadt Bochum.

Historie:
Es ist nicht gerade selbstverständlich, dass in einer ehemals durch Bergbau und bis heute weitgehend durch Stahl- und Autoindustrie geprägten Stadt wie Bochum zwei bundesweit arbeitende Institutionen für Puppentheater eingerichtet und gefördert werden. Beide haben ihren Ursprung in einer ersten Institutsgründung im Jahr 1950, als der vom Puppentheater begeisterte Bochumer Theaterwissenschaftler und Publizist Fritz Wortelmann (1902 – 1976) gemeinsam mit dem „Deutschen Bund für Puppenspiel“ und dem „Berufsverband deutscher Puppenspieler“ eine Institution als Ort für Ausbildung, Forschung und Werbung auf dem Gebiet des Puppenspiels initiierte. Wichtiger Ausgangspunkt für die Initiative war der vielfach konstatierte Mangel an Ausbildung im Berufspuppenspiel. So bot das auf Betreiben Wortelmanns in Bochum eingerichtete und bis 1974 unter seiner Leitung stehende „Deutsche Institut für Puppenspiel“ (DIP) Lehrveranstaltungen an und publizierte eine Fachzeitschrift („Der Puppenspieler“, später „Figurentheater“). 1958 begann das DIP mit der Herausgabe der monographischen Reihe „Meister des Puppenspiels“ und mit der Durchführung eines internationalen Festivals gleichen Namens in Bochum, das 1972 in „Figurentheater der Nationen“ umbenannt wurde und bis heute existiert. Aus den Lehrgängen des DIP entstand später das Figurentheater-Kolleg, das als eigenständige Aus- und Weiterbildungseinrichtung auch heute noch in Bochum seinen Sitz hat.

1992, kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands, wurde von der Stadt Bochum und maßgeblichen Verbänden und Ausbildungs-Institutionen des Puppentheaters in ganz Deutschland das „Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst“ (dfp) als neue zentrale Einrichtung geschaffen. Der etwas sperrige und schwer übersetzbare Name ist in gewisser Weise der besonderen Geschichte des deutschen Puppentheaters geschuldet, die sich nach Kriegsende in den zwei deutschen Staaten unter ganz unterschiedlichen Prämissen entwickelte. Im „Westen“ arbeiteten die Puppentheater hauptsächlich als „freie Theater“, außerhalb des Subventionssystems der Stadt- und Staatstheater, häufig als Tourneetheater mit nur wenigen Ensemblemitgliedern oder als Solokünstler. Im „Osten“ dagegen wurden die Puppentheater sehr früh in das staatliche Subventionssystem eingebunden und traten als Sparte der Stadt- und Staatstheater auf. Hier dominierte die eher arbeitsteilige künstlerische Ensemble-Produktion.

Als das dfp den Betrieb aufnahm waren die Trennungslinien zwischen den Puppentheatern aus „Ost“ und „West“ noch deutlich markiert, die Neugier aufeinander aber größer als das Misstrauen. Die Bestellung der Ostberliner Theaterwissenschaftlerin und Kritikerin Silvia Brendenal als erste Direktorin des (weit im Westen gelegenen) dfp kann man in dieser Situation als Signal in zwei Richtungen verstehen: dieses Institut sollte Integrations- und Innovationskraft für die deutsche Szene und einen offenen Blick nach Außen entwickeln.

Aber nicht nur die Puppenspieler und deren Organisationen brachten ihr Interesse an einer umfassenden Förderung des Puppentheaters in das Konzept des dfp ein, auch die Stadt Bochum war stark beteiligt. Das Festival „Figurentheater der Nationen“ hatte sich unter dem Kürzel FIDENA im Laufe der Jahre international einen Namen gemacht und zog jährlich Fachpublikum und Puppenspiel-Enthusiasten nach Bochum. Die Weiterführung dieses Festivals wie auch des Wettbewerbs um den „Fritz-Wortelmann-Preis der Stadt Bochum für das Amateurfigurentheater“ sicherte die Stadt mit ihrer Beteiligung an der Gründung und finanziellen Förderung des dfp. Zu den wichtigsten Geldgebern des dfp gehörte von Anfang an auch das Bundesland Nordrhein-Westfalen.


Bildnachweis: © Stadt Bochum, Presseamt

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