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Fritz-Wortelmann-Preis: And the Winner is...

03. Januar 2016

Nach drei abwechslungsreichen Festival-Tagen wurde der erste  Figurentheater-Oscar vergeben.

Und der Fritz geht an... Jan Jedenak von der Gruppe Dekoltas Handwerk. Nach den drei abwechslungsreichen Festival-Tagen, die der Wettbewerb um den 44. Fritz-Wortelmann-Preis der Stadt Bochum darstellte, konnte der Student des Stuttgarter Studiengangs Figurentheater den ersten Figurentheater-Oscar in der Hand halten. Er wurde in der Kategorie "Professioneller Nachwuchs" verliehen, die neu ist im Wettbewerb – und mit einer Einladung zum Festival FIDENA verbunden.

Oberbürgermeister Thomas Eiskirch übergab die Fritz-Skulptur, die der Bochumer Künstler Christoph Platz geschaffen hatte, am Sonntag im Rathaus. Außerdem freuten sich Gruppensieger in zwei weiteren Kategorien über den Fritz-Wortelmann-Preis.

Sein Begründer Fritz Wortelmann hatte den Preis 1959 als "Preis der Stadt Bochum für Laienpuppenspiel" aus der Taufe gehoben. Die Figurentheater-Amateure sind und bleiben deshalb das Herz des Wettbewerbs. In der Kategorie "Erwachsene Amateure" entschied die Jury aus Birgit Hollack, Tim Sandweg und Christian Strüder nach langen Diskussionen, den mit 4000 Euro dotierten Preis an die Gruppe M. aus Hildesheim und ihr Stück "Deus ex M." zu vergeben.

"Die Welt ist eine große Schachtel? In Marcel Kurzidims selbst entwickeltem, verschachteltem Text 'Deus ex M. - Die ersten 007 Kapitel einer Geschichte der Menschheit' durchdringen sich philosophische Ebenen von Innen und Außen, Einblick und Durchblick, Imagination und Realität", heißt es in der Begründung. "Sein permanentes intellektuelles Denkangebot ist fordernd. Sprachliche Dichte, pointierter Ausdruck und die literarische Qualität des Textes korrespondieren hervorragend mit dem reduzierten Einsatz von Objekten und Figuren sowie der kargen Raum- und Lichtsituation. Die konzeptionelle Stärke, die hohe darstellerische Bewusstheit und der durchdachte Einsatz der gewählten Mittel lassen einen eigenständigen und eigenwilligen künstlerischen Ausdruck erkennen."

In der Kategorie "Schulgruppen/Jugendliche" hatte die Jury aus Dr. Hans H. Hanke, Nina Knecht und Ronny von Wangenheim ebenfalls keine leichte Entscheidung zu fällen. Sie fiel letztendlich auf das Stück "Herr Burzcik hat sonst nie Besuch" des Puppenspielclubs des Puppentheaters Magdeburg, der den ebenfalls mit 4000 Euro dotierten Preis entgegennahm. "Die Geschichte besticht und unterhält, weil sie viele überraschende Wendungen hat. Letztendlich erzählt sie von Einsamkeit und wie man sie trotz aller Angst vor dem Fremden überwindet", befand die Jury.

"Lobenswert ist die auf mehreren Ebenen des Raumes bespielte Bühne, welche variantenreich genutzt wird. Ein Kühlschrank  wird dabei zum Kiosk und Lebensraum von lebendigem Gemüse, beispielsweise knutscht der Lauch darin mit anderen Insassen. Diese Brechung der vorherrschenden Ästhetik bringt skurrile, heitere Augenblicke ins Ganze." Den Fritz-Wortelmann-Preis erhalte der Puppenspielclub auch wegen der sichtbaren Freude am Puppenspiel, dem lebendigen und abwechslungsreichen Auftreten der Spielenden, und wegen der sichtbar professionell begleiteten, gekonnten Umsetzung.

Jan Jedenaks Gruppe Dekoltas Handwerk kürte die Jury aus Frank Bernhardt, Kurt Pothen und Annette Dabs zum Sieger in der Kategorie "Professioneller Nachwuchs": "Jan Jedenak führt uns in „Séance“ hinters Kerzenlicht. Ein subtiler Verführer, der uneitel mit unserer Wahrnehmung spielt: Und wie gerne lassen wir uns von ihm manipulieren", urteilte sie. "Das bestechende Timing der Inszenierung zieht uns unweigerlich in ein Universum von Licht und Schatten, Sichtbarem und Unsichtbarem, Gespinsten und Gegenständlichem.
Die Mittel scheinen betörend einfach, sind aber in ihrer analogen Komplexität gezielt und präzise eingesetzt und auf allen Ebenen durchkomponiert und konsequent."

Die Preisverleihung im Bochumer Rathaus, bei der die Band ComboCombo eine Stimmung zwischen Party und weihnachtlicher Festlichkeit zum Ersten Advent aufkommen ließ, stellte den gebührenden Abschluss eines bunten Festival dar: 22 Gruppen waren mit ihren 22 Aufführung zum fairen Wettbewerb an fünf Spielstätten in der Stadt angetreten und hatten viel Zeit zum Austausch: Bei den gemeinsamen Essen im Festival-Zentrum am Prinzregenttheater und bei Feedback-Runden, die das Team des ausrichtenden Deutschen Forums für Figurentheater für alle drei Kategorien anbot. Das Neuauflage des Fritz-Wortelmann-Preises, der erstmals in drei Kategorien – und für alle gleichzeitg – vergeben wurde, ist somit rundum gelungen.

 

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