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Preisverleihung in Bochum: Und der Fritz geht an…

09. Oktober 2017

Gewinner sind systemrhizoma, die Ugglbühne und das Theater am Ev. Ratsgymnasium Erfurt.

Vom 5. bis 7. Oktober 2017 sind 22 Produktionen von Gruppen aus ganz Deutschland im Wettbewerb um den 45. Fritz-Wortelmann-Preis angetreten. An sechs Spielorten in Bochum zeigten die Teilnehmenden in drei Kategorien (Erwachsene Amateure, Schultheater/ Jugendtheaterclubs, Professioneller Nachwuchs) die ganze Vielfalt des Figuren- und Objekttheaters und sorgten für ein spannendes Theater-Festival, das am Samstagabend (7. Oktober) mit einer rauschenden Party im Prinzregenttheater endete.

Die Jurys haben es sich nicht einfach gemacht und sind nach abendlichen Diskussionen zu folgenden Ergebnissen gekommen:

In der Kategorie Schultheater/Jugendclubs kürte die Jury aus Katharina Feuerhake, Cathrin Rose und Bernhard Szafranek „Der Kleine Prinz“ vom Theater am Evangelischen Ratsgymnasium Erfurt zur Sieger-Inszenierung. In der Begründung heißt es: „‘Der Kleine Prinz‘ ist eine Ensembleleistung, bei der alle Darsteller*innen die gesamte Spieldauer über auf der Bühne stehen und zu jedem Zeitpunkt wissen, wo sie sich befinden und was sie tun. Die sorgsam gestalteten Puppen werden durch ein sehr detailgenaues, filigranes und einfühlsames Spiel zum Leben erweckt. Auch jenseits der Spielszenen wird ihnen durch den behutsamen Umgang große Wertschätzung entgegengebracht. Die Puppen werden oft durch zwei oder drei Personen geführt – das bedeutet eine besondere Herausforderung im Zusammenspiel, das zu jedem Zeitpunkt geglückt ist. Es ist eine rundum gelungene Ensembleleistung, die durch eine ruhige und konzentrierte Erzählweise besticht.“ Der Preis ist mit 4000 Euro dotiert.

In der Kategorie Erwachsene Amateure kürte die Jury aus Birgit Hollack, Barbara Jessel und Christian Strüder „Uggl in Gefahr“ von der Ugglbühne aus Holzheim in Bayern zur Sieger-Inszenierung. In der Begründung heißt es: „Die Geschichte des Kobolds Uggl, der durch den Zauber der Verwandlung die Möglichkeit erhält ihm Unbekanntes und Störendes auf Augenhöhe neu kennen und verstehen zu lernen, ist ein Plädoyer für Toleranz, Einfühlungsvermögen und Verständnis. Das selbst entwickelte Stück für Kinder ab 3 Jahren transportiert seinen Inhalt ohne erhobenen Zeigefinger und Überfrachtung altersgerecht. Die temporeiche humorvolle Inszenierung besticht nicht nur stimmlich und musikalisch, sondern auch rhythmisch und dramaturgisch. Das Marionettentheater Ugglbühne überzeugt mit seinen selbstgefertigten Figuren durch schwunghaftes, authentisches Spiel. Die verschiedenen Ebenen der selbstentwickelten Geschichte - Marionettenspiel, Erzählung, Musik, Mitmachaktionen - ergänzen sich auf erfrischende Art und Weise und lassen beim Publikum den Funken überspringen. Der Preis ist mit 4000 Euro dotiert.

In der Kategorie Professioneller Nachwuchs kürte die Jury aus Dr. Hans Hanke, Kurt Pothen und Romy Schmidt „No Strings Attached“ von systemrhizoma aus Hildesheim und Braunschweig (Foto: Selfie) zur Sieger-Inszenierung. In der aus der Perspektive eines Zuschauers verfassten Begründung heißt es: „Die Wirkung von ‚No strings attached‘ beruht auf ihrer Distanz und der im Werk erzeugten Differenz. Zuschauer zu sein bedeutet, eine aktive Haltung einzunehmen, da auch das Sehen eine Handlung ist. ‚No strings attached‘ nimmt mich als emanzipierten Zuschauer im rancièrschen Sinne wahr. Ich, der Zuschauer, bin nicht Teil einer grauen in Masse, die sich nur an Gesehenem ergötzen will. Es sitzt im Zuschauerraum vielmehr eine Ansammlung von Individuen, deren Macht darin besteht, das Geschehen wahrzunehmen und auf seine Weise individuell mit dem bisher Erlebten in Verbindung zu bringen. Dafür und für die Bereitschaft in einen künstlerisch motivierten, interdisziplinären Dialog zwischen etabliertem Figurentheater und performativem Theaterbedeutungsrodungsdrang zu treten freuen wir uns, den Fritz-Wortelmann-Preis 2017 der Stadt Bochum zu vergeben.“

Die Preisträger*innen in der Kategorie Professioneller Nachwuchs erhielten auf der Preisverleihung am Sonntagmorgen, 8. Oktober, im Bochumer Rathaus aus den Händen des Bochumer Oberbürgermeisters Thomas Eiskirch die Original-Skulptur „Fritz“ des Bochumer Künstlers Christoph Platz. Wie bereits vor zwei Jahren hatte er ein Figur des deutschen Handpuppenspiels mit dem Antlitz eines Künstlers gestaltet, der in Bochum gewirkt hat: Dieses Jahr ist es der Theatermacher Claus Peymann als poetischer Kasper. Der Fritz-Wortelmann-Preis ist in dieser Kategorie außerdem mit einer Einladung zum Festival FIDENA (mit honorierter Aufführung des Stücks) verbunden. Die FIDENA feiert im Mai 2018 ihren 60. Geburtstag. Der nächste Fritz-Wortelmann-Preis findet im Spätsommer/Herbst 2019 statt.