1998 – heute: Aufbruch ins neue Jahrtausend

Auch nach dem Leitungswechsel 1997 behielt die FIDENA ihr Profil als ein Figurentheaterfestival mit Schwerpunkt auf innovativen Formen. Die neue Geschäftsführerin des dfp und gleichzeitig künstlerische Leiterin der FIDENA, die in Opernregie und Kulturmanagement ausgebildete Annette Dabs, führte die begonnene Linie konsequent weiter. Schon die Einladung des australischen Künstlers Stelarc mit seiner hybriden Performance „Exosceleton“ zum Auftakt ihrer ersten FIDENA 1999 setzte ein Zeichen: immer werden die Schnittstellen zwischen Bildender und Darstellender Kunst gesucht, die Verbindung von Musiktheater und Objekttheater, das Verhältnis von Bewegung (Tanz), Figur und Raum. Das schließt Inszenierungen am äußersten Rand dessen, was unter Figurentheater verstanden wird wie Arbeiten des Kanadiers Robert Lepage, des ukrainischen Regisseurs Andrij Zholdak oder der französischen Choreographin Gisèle Vienne ebenso ein wie aktuelle Versionen historisch-anarchischen Kaspertheaters z.B. durch das russische Künstlerkollektiv AKHE. In den letzten Jahren hat sich die FIDENA zu einem produzierenden Festival weiterentwickelt, viele Uraufführungen kamen in Koproduktion oder sogar als Auftragsproduktion in Bochum heraus. Im Mittelpunkt steht die Begegnung der Künste und der Künstler.

Begegnungen
Unterstrichen wird der Begegnungsaspekt des Festivals auch durch die Einbindung von Studenten der Theaterwissenschaft und Puppenspiel-Absolventen, durch begleitende Symposien und Gesprächsrunden. Einen besonderen Stellenwert nimmt darunter das Europäische Theaterlaboratorium im Jahr 1999 ein, an dem Künstler aus Deutschland, Italien und Frankreich teilnahmen, eine produktive künstlerische Auseinandersetzung, die bis heute anhält. Das „International Meeting of Festivaldirectors“ war ebenfalls ein Meilenstein für internationale Begegnungen. 2003 begann dieses Symposium unter dem Titel „Eigensinn gefragt?“, 2007 wurde es fortgesetzt mit dem Titel „Verantwortung gefragt?“ und verhandelte die Rolle internationaler Festivals in Zeiten der Globalisierung. Ergebnis ist ein bis heute aktives Netzwerk von 85 Festivalleitern aus allen Regionen der Welt, die sogenannte „Tucholsky-Connection“. Ein drittes Treffen ist in Planung.

Zwischenbilanz
Das Festival FIDENA hat sich regional wie international als Plattform für wagemutige und anspruchsvolle Inszenierungen des Figurentheaters etabliert, es hat sich eine hohe öffentliche Akzeptanz erarbeitet und einen deutlichen Imagegewinn der Darstellungskunst mit Puppen und Objekten erreicht. Das spiegelt sich auch an den Kooperationen der FIDENA mit anderen Institutionen wider. Stellvertretend seien das Schauspielhaus Bochum, die Ruhr-Universität Bochum, das Theater an der Ruhr in Mülheim, die Ruhrfestspiele, das Teater Instituut Nederlande und die Einbeziehung des Festivals in das hochkarätige Programm der „Ruhrtriennale“ genannt. Annette Dabs arbeitet im deutschen Vorstand des Internationalen Theaterinstituts und ist Vizepräsidentin der Welt-Unima. 2009 erhielt sie den Ehrenring der Stadt Bochum.